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Excellente Reise
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Das Schiff
Die Excellence Rhône war ein schönes Schiff, nicht mehr ganz neu aber gut gepflegt und tiptop sauber. Die Kabinen waren gross genug, wir standen uns nur immer gegenseitig im Weg, aber das lag nicht unbedingt am Schiff... Der Schrank war absolut gross genug, auch für eine zweiwöchige Reise, und unter den Betten gab es auch noch Stauraum. Das Badezimmer war so gross und schön wie in guten Hotels, und es hatte sogar einen richtigen Fön, zum Einstecken, nicht an der Wand festgemacht. Die einstellbare Klimaanlage war leise und effizient, die Beleuchtung ausreichend. Ein paar zusätzliche Kleiderhaken an der Wand wären nützlich gewesen.
Die allgemeinen Räume auf dem Schiff wie Lounge, Restaurant und Sonnendeck waren gross, hell und bequem eingerichtet, die Treppen gut und sogar einen Lift gab es. Lediglich die Treppe aufs Sonnendeck hatte zu kurze Stufen, für viele Passagiere war diese Treppe schwierig. Dafür gab es auch rings um das Steuerhaus Tische und Stühle, wir konnten immer von draussen zusehen was das Schiff macht, und dem Kapitän beim Aussensteuerstand direkt auf die Finger schauen. Selbst bei Manövern war der Kapitän freundlich und beantwortete Fragen, und er beklagte sich nie, dass ihm jemand die Sicht nahm. Das war wirklich exzellent!
Der Service auf dem Schiff war tiptop. Das Personal kam eher aus dem Osten und war gut ausgebildet, alle sprachen deutsch und englisch. Die Leute waren sehr aufmerksam und freundlich, und die Kellner brachten nach einigen Tagen schon jedem sein bevorzugtes Getränk. Die Stimmung war allgemein gut, wir hatten den Eindruck die Löhne seien nicht so schlecht im Vergleich. Das Essen war immer sehr gut, die Auswahl tiptop, es gab immer für Jeden etwas. Die Menüs waren so üppig, dass wir öfter einen Gang ausliessen; es war sonst einfach zuviel. Einziges Manko war, dass unterwegs der Grand Marnier ausging und bis Ende der Reise nicht wieder geliefert wurde.
Die Schiffscrew sprach mehrheitlich französisch, und war ebenfalls sehr freundlich und gut ausgebildet. Kapitän Alain Jolly nahm sich alle Zeit der Welt für die Passagiere, er plauderte mit allen und hatte sein Schiff trotzdem ständig im Griff. Auch "der Zweite" war sehr freundlich und geduldig, er erklärte anlässlich der Besichtigung des Steuerhauses die Steuerung und das Radar. Bei der Fahrt nach Port St. Louis durften wir nochmals auf die Brücke und Kapitän Jolly erläuterte detailliert die Fahrt durch die Kurven.
Unsere erste Kreuzfahrt war - was das Schiff betraf - ein voller Erfolg.
Die Reise
Wir waren schon vielen Kreuzfahrtschiffen begegnet und beschlossen, einmal eine solche Reise zu probieren. Zusammen mit meinen Eltern buchten wir eine Fahrt auf Saône und Rhône. Wir hatten zwar die Rhône schon befahren, würden sie aber gerne wiedersehen. Unsere Wahl fiel auf die Excellence Rhône vom Reisebüro Mittelthurgau, die Route sollte von St. Jean de Losne nach Avignon führen, mit einem Abstecher nach Port St. Louis du Rhône.
Zwei Wochen vor Abfahrt erhielten wir die Reisedokumente, was bei Kreuzfahrten offensichtlich üblich ist. Wir fanden dies etwas spät, aber wir waren ja Kreuzfahrt-Neulinge. Leider erfuhren wir dabei auch, dass unsere Fahrt abgekürzt wurde; die erste Strecke von St. Jean de Losne nach Chalon sur Saône fiel aus und wir sollten direkt in Chalon einschiffen. Eine Begründung für diese Änderung erhielten wir auch auf Nachfrage nicht. Es hiess lediglich, dass der Liegeplatz in St. Jean nicht freigegeben wurde und dies nicht als Routenänderung gelten würde.
Damit mussten wir gemäss den allgemeinen Bedingungen also leben. Ein nicht freigegebener Liegeplatz bedeutete für uns, dass ebendieser Platz von der Reederei nicht im voraus reserviert wurde. Wir hatten den Eindruck, das Reisebüro Mittelthurgau veröffentlichte Angebote und Kataloge, ohne diese tatsächlich organisiert zu haben, quasi auf Zusehen hin. Die Reise beinhaltete auch die Hin- und Rückfahrt vom Bahnhof SBB zum Schiff. Die Twerenbold-Busse, mit welchen wir transportiert wurden, waren eigentlich bequem, unser Chauffeur angenehm. Bei der Abfahrt von Basel wurden wir allerdings von einem Zubringer abgeholt und stiegen beim Aqua Basilea in den "definitiven" Bus um. Die Fahrt führte auf der französischen Strecke nach Dijon und war nicht zu lang. Nach dem "individuellen Mittagessen" und dem letzten Stück bis Chalon waren wir schon müde, die Excellence Rhône bereit am Quai und wir konnten einsteigen.
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Der Chauffeur hatte uns informiert, dass wir direkt in die Kabinen gehen sollten, unser Gepäck würde dann gebracht. Auf dem Schiff selbst war es dann anders, wir mussten uns in die Lounge setzen und bekamen einen "Drink" spendiert, der geschmacklich aus gefärbtem Wasser bestand. Dort begrüsste uns der Mittelthurgau-Reiseleiter mit einigen Sprüchen und dazwischen eingestreuten Informationen. Zwischendurch liess er uns eine Weile sitzen. Das war ziemlich unangenehm, wir wollten alle in die Kabinen, uns etwas frischmachen und erholen.
Die Mittelthurgau-Reiseleitung informierte jeweils über die "Schiffspost", eine Art Tagesbefehl mit Essens-, Ausflugs- und Abfahrtszeiten. Weitere Details wurden vom Reiseleiter über die überall vorhandenen Lautsprecher durchgegeben. Diese waren aber nicht immer hörbar oder verständlich, an Deck gab es Geräusche, in der Kabine war man vielleicht grad in der Dusche. Diese gesprochenen Informationen waren auch durchmischt mit touristischen Hinweisen, was man jetzt grad am rechten Ufer vorbeiziehen sah, oder zum Wetter (Wind von Osten - er kam aber von Westen). Hatte man solche Durchsagen verpasst, war man quasi verloren - es war nirgends angeschrieben und auch auf dem schiffseigenen Fernsehkanal tauchten diese Infos nicht auf. Teilweise waren die Infos auch zuerst falsch und wurden erst auf Nachfrage korrigiert. Viele der "technischen" Informationen hätten auch im voraus mitgeteilt werden können, zum Beispiel wann welcher Anlass stattfinden würde, oder zu welchen Zeiten auf dem Schiff Getränke serviert würden. Auch die genauen Anlegestellen in den verschiedenen Städten wären für uns interessant gewesen. Allgemein empfanden wir die Reiseleitung als schlecht, deutlich unter dem erwarteten Excellence-Niveau. Allerdings waren wir offensichtlich keine typischen Kreuzfahrtkunden, die meisten Passagiere liefen als zufriedene Herdentiere in der Schar mit und begrüssten die "lustige" Art des Reiseleiters.
Wir hatten nur zwei der vielen Ausflüge gebucht, die Dampfbahn in Tournon und den Stadtrundgang in Arles. Beide waren erfreulich gut geleitet und kommentiert. Vor allem unsere "Guide" in Arles war sehr freundlich und kompetent und jederzeit empfehlenswert. Die von Mittelthurgau gelobten "Quietvox" Audiogeräte, mit denen man den Guide überall hören kann, waren eigentlich gut, aber die Kopfhörer hielten nicht richtig und schmerzten nach einiger Zeit. Die üblichen In-Ear-Wegwerfdinger wären besser gewesen. An den anderen Orten spazierten wir unabhängig in den Städten herum, wir kannten sie auch schon. Und ausser in Lyon, das als Grossstadt nicht ganz einfach zu besuchen war, hatten wir es überall nett.
Für den Rückweg von Avignon nach Basel wurden wir wieder mit dem Bus transportiert. Diese Busse begleiteten das Schiff auch die ganze Zeit für die Ausflüge. Auch für das Ausschiffen war die Information mangelhaft. Das Gepäck wurde von der Crew direkt am Schiff in die Busse verladen, danach fuhren die Busse aber an einen Halteplatz und die Passagiere mussten zu Fuss dorthin marschieren. Das war für uns kein Problem, es wäre aber einfach gewesen, wenn wir das im voraus gewusst hätten. Einige Passagiere konnten nicht so gut gehen und hätten dann mehr Zeit für diesen Fussmarsch gehabt. Leider erfolgte die Rückreise dann auf einer anderen Route und mit vielen Zwischenhalten. Unser Bus lieferte uns irgendwann gegen Abend in Rütihof ab, wir mussten dann schauen, dass wir unser Gepäck in den Zubringerbus nach Basel brachten. Danach hiess es Warten, erst nach der Ankunft von weiteren Bussen konnte dieser Zubringer abfahren. So dauerte die Rückreise von Avignon nach Hause geschlagene zwölf Stunden. Dies war so weder mitgeteilt noch erwartet worden, und das würden wir niemandem empfehlen. Mit dem Zug - der in Frankreich wirklich nicht grossartig ist - hätten wir vier Stunden weniger gebraucht!
Das Reisebüro Mittelthurgau hat offenbar schon genügend Stammkunden. Wir jedenfalls würden bei der nächsten Reise mit dem Auto oder der Eisenbahn zum Schiff und wieder nach Hause fahren.
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