Frühling 2005 - Canaux du Centre et Roanne - Pénichette 1020 FB

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Montag, 18.04.05
Montag, 18.04.05
Dienstag, 19.04.05
Mittwoch, 20.04.05
Donnerstag, 21.04.05
Freitag, 22.04.05
Samstag, 23.04.05
Sonntag, 24.04.05
Montag, 25.04.05
Dienstag, 26.04.05
Mittwoch, 27.04.05
Donnerstag, 28.04.05
Freitag, 29.04.05
Samstag, 30.04.05
Sonntag, 01.05.05
Montag, 02.05.05
Dienstag, 03.05.05
Mittwoch, 04.05.05
Donnerstag, 05.05.05
Freitag, 06.05.05
Samstag, 07.05.05
Sonntag, 08.05.05



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Hochwasser auf der Saône

Das Boot

Nachdem wir im letzten Herbst gute Erfahrungen mit der kleinen Pénichette 935 gemacht hatten, wollten wir diesmal wieder auf eine Pénichette, aber auf eine etwas grössere. In der Basis von Dompierre konnten wir eine Terrasse besichtigen, und diese erschien uns so praktisch, dass wir sie buchen wollten. Leider war keine Terrasse mehr frei, und so entschieden wir uns für die 1020 FB.

Was das Wohnen betrifft, ist die 1020 FB super. Man hat genug Platz (jedenfalls zu zweit), die Betten sind gross genug, die Nasszellen ebenfalls, die Raumanordnung ist gelungen. Die Heizung auf diesem Boot ist eine normale Ölheizung - verbrennt halt Diesel statt Öl - mit Heizkörpern. So lässt sich das Boot super heizen - es wird schnell warm und man kann die Heizung auch über Nacht laufen lassen, falls es draussen kalt ist. Bei der üblichen mit Gas betriebenen Heissluftheizung würde ich das nicht machen. Das warme Wasser wird ebenfalls über diese Heizung erhitzt und ist somit nicht vom laufenden Motor abhängig. Und da es sogar in den Nasszellen Heizkörper hat, kann man jederzeit gemütlich warm duschen!

Die Küche ist praktischer angeordnet als in der 935er, das Geschirr im Regal an der Wand gut verstaut, es hat Platz für Lebensmittel und die Kasten- und Schubladengriffe sind versenkbar. So kann nichts herausfallen, falls es mal schaukelt, und man stösst sich trotzdem nicht an den Griffen. Der Herd mit zwei Flammen reicht aus, und mit Gas kocht es sich halt besser als mit Strom wie zuhause. Sogar ein Dampfkochtopf war vorhanden; für diesen hätten wir uns allerdings eine Anleitung gewünscht. Der Kühlschrank war von oben zu beladen, was zwar energietechnisch sinnvoll ist, aber man kann ihn nicht wirklich füllen, weil das meiste dann aufeinandergestapelt werden muss.

Aussenherum ist die 1020 FB weniger praktisch. Die Klampen sind nicht sinnvoll angeordnet, auch aufgrund der Fly Bridge. Am Bug gibt es nur eine Mittelklampe, und an dieser zieht man das Boot in der Schleuse (oder am Quai) automatisch mit dem Heck nach aussen. Die Klampen auf der Fly Bridge sind zu hoch; liegt man oben in der Schleuse oder auch am Quai, rutscht die Leine über den Poller weg. Am Heck hat es auch noch zwei Klampen, die zwar niedriger sind aber dafür nicht von aussen resp. von Land aus zu erreichen. Man muss also die Leine hinten bei der Klampe holen, über die Fly Bridge nach vorne und kann dann mittschiffs mit der Leine aussteigen. Dabei verhängt sich die Leine dann meistens noch in der nicht durchgehenden Reling...

Negativ fürs Handling ist auch, dass nur ein Ausstieg steuerbords existiert. Muss man backbord anlegen, heisst es erstmal zur Tür hinaus, dann übers Gangbord vorne herumspazieren, damit man mittschiffs aussteigen kann. Das Freibord ist relativ hoch; bei niedrigen Quais heisst das, die ringsumlaufenden Gummi-"Zierleisten" als Treppe benutzen. Die Planke haben wir nie benutzt - bei ca. 45 Grad Steigung wohl sinnlos - und eine ausklappbare Treppe wäre für dieses Boot wohl geeigneter.

Was das Fahrverhalten betrifft, so waren wir von diesem Boot ziemlich enttäuscht. Wir haben zuvor die Motorboot-Prüfung absolviert und extra noch eine Fahrstunde auf einem (wie wir dachten) vergleichbaren 11-Meter-Starrwellen-Verdränger genommen. Also sollten wir doch diese Pénichette problemlos fahren können. Leider weit gefehlt; das Boot machte immer genau nicht das, was wir eigentlich wollten. Aufgrund unserer Routenänderung konnten wir unsere vorgesehenen Boots-Kennenlern-Manöver (abstoppen, drehen etc.) nicht machen und bekamen das Boot nicht wirklich in den Griff. Nach einer Woche untersuchten wir die Grössenverhältnisse von Ruderblatt- und Winkel, Tonnage, Wasser-"Grundfläche" und verglichen mit unseren Erfahrungen auf der 935. Wir kamen zum Schluss, dass die 1020 FB mehr fürs Wohnen als fürs Fahren konzipiert ist: zu kleines Ruderblatt, zu stark untersetzte Steuerung und gleichzeitig zu kleiner Ruderwinkel (sieben Umdrehungen für ca. 30 Grad, da tun die Finger weh von der Dreherei), ungünstige Rumpfform (der Bug teilt das Wasser nicht, sondern platscht mehr darauf wie ein Eisbrecher) und mit 8 Tonnen relativ viel Gewicht bei nur 85 cm Tiefgang. Zeitweise war ich ziemlich frustriert von der Fahrerei. Zum Glück erklärte uns der Mechaniker bei der Abgabe, dass unsere Annahmen stimmen und die 1020 FB tatsächlich fahrtechnisch ungünstig konstruiert ist; dieses Boot sei die schwierigste Pénichette überhaupt.

Fazit: die Pénichette 1020 FB ist super zum Wohnen, aber mühsam zum Fahren.

Die Route

Unsere dreiwöchige Tour startete in St. Léger sur Dheune auf dem Canal du Centre im Burgund, und wir wollten bis Besançon und Dijon fahren:

St. Léger - in Chalon auf die Saône - St. Jean de Losne - auf den Canal du Rhône au Rhin - Dole - Besançon - zurück nach St. Jean - auf dem Canal de Bourgogne bis Dijon - wieder nach St. Jean - Chalon - auf dem Canal du Centre zurück nach St. Léger

Da es im Frühling auf den Flüssen Hochwasser geben kann, hatten wir die Situation der Saône vor unserer Abfahrt verfolgt. Eine Woche vorher gab es ein Hochwasser, das ging dann aber langsam zurück und wir waren zuversichtlich. Bei der Abfahrt an der Basis war auch keine Hochwassermeldung vorhanden. Allerdings regnete es etwas, und als wir nach zwei Tagen vor Chalon vom Schleusenwärter gewarnt wurden (was? auf die Saône, mit diesem Boot? unmöglich!) wurden wir doch skeptisch. Noch auf dem Kanal, legten wir in Chalon vor der letzten Schleuse an, die uns auf den Fluss gebracht hätte. Wir konnten zusehen, wie ein Passagierschiff seine Gäste an der Schleuse auslud, bevor es auf den Fluss geschleust wurde - irgendwie war die Saône wohl doch nicht so gut befahrbar. Also kam der mitgeführte Mini-PC zum Einsatz. Die Webseite mit den Wasserständen war schnell gefunden, und damit war der Fall ziemlich klar: knapp drei Meter Hochwasser hatte die Saône in Chalon! Zur Bestätigung trafen dann auch die Mails mit den abonnierten "Avis à la Batellerie" von VNF ein: die Rhône gesperrt, zwei Saône-Schleusen geschlossen, nichts geht mehr, sogar die Grossschiffahrt steht still. An dieser Stelle ein Kompliment an die VNF: Der Service mit den Avis per Mail funktionert tadellos und ist wirklich sehr praktisch!

Am nächsten Tag besichtigten wir den Port de Plaisance in Chalon, wo wir früher schon einmal angelegt hatten. Die Fotos sprechen für sich: hier ist alles unter Wasser, von den Uferwegen über die Lichtmasten bis zum Kran. Die Brücke ist nicht mehr durchfahrbar, und der Hafen geschlossen.

Also heisst es Route umstellen. Der Canal du Centre führt in umgekehrter Richtung bis Digoin, von dort aus gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder auf dem Canal Latéral à la Loire bis Decize oder Nevers, oder dem Canal de Roanne à Digoin bis Roanne folgen. So oder so geht es ins Loire-Tal, und das ist eigentlich immer schön. Ich wäre gern nach Decize gefahren, weil es mir dort gut gefällt und man auf der Loire festmachen kann. In Roanne waren wir aber noch nie, deshalb entschieden wir uns für diese Variante. In Digoin stellte sich heraus, dass Decize sowieso nicht machbar wäre. Der Kanal führt dort als Brücke über die Loire, und diese hatte deutlich Hochwasser. Wir wären also in Decize nicht auf die Loire gekommen und damit nicht in die Stadt selber, sondern hätten ausserhalb festmachen müssen, wo es nicht so schön ist. Wir befuhren also den Canal de Roanne à Digoin bis Roanne und kehrten danach nach St. Léger zurück.
  Die Reise

Nach einer problemlosen Anfahrt - mit dem schon fast traditionellen kleinen "Verfahrer" am Ende - konnten wir unser Boot bald übernehmen. Die Mitarbeiter der Basis waren mit drei (oder vier?) Bootsübernahmen schon voll ausgelastet, aber wie bei Locaboat wohl üblich sehr freundlich, und alles klappte tiptop. Wir konnten noch gleichentags abfahren und die ersten paar Schleusen hinter uns bringen.

Auf dem Canal du Centre sind die Schleusen in Ketten organisiert, jedes Boot wird von Schleuse zu Schleuse weitergereicht. Bei den automatisierten Schleusen zwischen Chalon und Montceau les Mines geschieht das übers (fernüberwachte) Schleusenprogramm. Die Schleusenwärter an den manuellen Schleusen haben mittlerweile alle ein Handy und rufen jeweils ihren Kollegen an, um ein Boot zu melden. Die Schleusenwärter sind teilweise auch für mehrere Schleusen zuständig und fahren dann jeweils mit ihren VNF-Autos voraus. Diese Schleusenketten haben den Vorteil, dass jede Schleuse bereit ist, es gibt also praktisch keine Wartezeiten. Fährt man morgens los, ruft man die Schleusen-Überwachung an, und die freundliche Dame startet sofort das Schleusenprogramm resp. gibt dem entsprechenden Schleusenwärter Bescheid. Der Nachteil dieser Ketten ist, dass man nicht einfach nach Lust und Laune (und Anlegeplatz) anhalten kann, sondern jeweils Bescheid geben muss. Wenn ein angemeldetes Boot nicht bei der nächsten Schleuse erscheint, wird jeweils ein Schleusenwärter mit dem Auto auf die Suche geschickt und ist von dieser Zusatzarbeit natürlich nicht sehr begeistert...

Eigentlich hatten wir uns für den Anfang der Tour einige Manöver vorgenommen, um das Boot kennenzulernen. Da unsere geplante Route über die Saône (wo wir genügend Platz gehabt hätten) "ins Hochwasser fiel", wollten wir die Manöver auf dem Kanal probieren. Auf dem Canal du Centre fanden wir aber keine genügend breite Stelle; dort wo der Kanal etwas breiter ist, sind meistens die Ufer ausgebrochen und es hat unter Wasser unangenehme Steinwände oder sonstige Untiefen. Ausserdem hätten wir uns aus der Schleusenkette ab- und wieder neu anmelden müssen. Also liessen wir die Manövriererei halt bleiben. Aber beim nächsten Boot machen wirs ganz bestimmt ;-)

Die Landschaft am Canal du Centre ist, wie bei allen Kanälen im Burgund, sehr natürlich und grün. Auf beiden Seiten sieht man die weissen Charolais-Rinder, die zufrieden ihr Gras zupfen, am nächsten Bach Wasser saufen oder gemütlich im Gras liegen. Immer wieder fährt man unter kleinen Brücken durch und an kleinen Dörfern vorbei. Auf der der Saône zugeneigten Seite des Kanals ist die Gegend etwas weniger schön; oft führt die Strasse direkt am Kanal entlang, die Schleusen sind hoch und es hat etwas mehr Industrie.

Nachdem wir in Chalon wegen des Hochwassers wieder umgedreht hatten, übernachteten wir noch einmal bei Santenay. Es hat dort eine hübsche Anlegestelle mit Pollern, wo allerdings schon drei andere Schiffe lagen. Wir benutzten also den hintersten Poller und schlugen halt noch zwei Heringe ein. Am nächsten Morgen stellte sich aber heraus, dass das Anlegen an der besten Stelle des Quais ein Nachteil sein kann. Da kam das Passagierschiff "Abercrombie" angefahren, das genau hier seine Passagiere abholen sollte. Da ein Passagierschiff von Péniche-Grösse (38 Meter) nicht mit Heringen festmachen kann, braucht es Poller - und weil Passagierschiffe immer Vortritt haben, müssen alle anderen Boote die Poller freigeben. Die drei anderen Boote mussten also in einer Hektik ablegen, damit "der Grosse" festmachen und seine Passagiere erwarten konnte. Nur wir mit unseren Heringen konnten noch bleiben ;-)

Früh am morgen kam da plötzlich ein Reh durch den Kanal geschwommen. Schnell wurde klar, dass es das nicht aus lauter Freude macht, sondern schlichtwegs nicht mehr rauskommt. Das Reh muss entweder bei einem Gebüsch ins Wasser gefallen sein, oder es wollte auf die andere Seite und hat nicht berücksichtigt, dass dort das Ufer zu hoch sein könnte (wie soll es auch, natürliche Ufer sind nicht zu hoch). Jedenfalls mussten wir dem armen Tier irgendwie helfen. Zum Glück war in der Nähe eine Brücke, so verteilten wir uns auf die zwei Ufer und folgten dem Reh. Es kehrte immer wieder um, schwamm einmal Richtung des einen Ufers und dann wieder zum Anderen, aber nirgends bekam es auch nur den Kopf über den Uferrand. Wir liefen vorsichtig am Ufer mit, wollten einerseits das Reh nicht verscheuchen aber andererseits mussten wir es ja irgendwie zu fassen bekommen. Nach einer ewig langen Zeit, so schien es jedenfalls, war es schon sehr erschöpft, hatte Wasser geschluckt und die Augen verdreht. So langsam musste es sich unterkühlen; das Kanalwasser hatte sicher nicht mehr als acht Grad. Ich versuchte unsere Leine als Lasso zu benutzen, aber das muss man erstmal lernen. Es klatschte vor und neben dem Reh aufs Wasser, und das Tier schwamm einfach drumherum. Irgendwann war es dann wohl zu erschöpft; ich liess die "Lassoschlinge" einfach knapp über dem Wasser baumeln, und das Reh schwamm mit dem Kopf hinein. Uff!

Nun konnte ich es heranziehen - aber mehr auch nicht. Der Uferrand war doch 20 Zentimeter hoch, und ein Reh, so leicht es auch ist, von dort unten heraufzuheben ohne selbst ins Wasser zu fallen, das ging nicht. Also hielt ich es nur so fest, dass es nicht untergehen konnte, und versuchte es zu beruhigen. Zum Glück kam dann ein Schiffer vom anderen Boot, und zu zweit konnten wir das Reh aus dem Wasser heben. Es war auch höchste Zeit; das Tier konnte vor lauter Erschöpfung nicht einmal mehr stehen. Es lag einfach so am Ufer, schnaufte und zitterte, und knirschte mit den Zähnen. Eine Schiffersfrau brachte dann einige Badtücher, damit konnten wir das Reh halbwegs trockenrubbeln, damit es wieder warm wurde. Zwischendurch versuchte es aufzustehen, aber es knickte immer gleich wieder ein. Wir blieben noch eine Weile bei ihm, damit es nicht von einem Hund oder sonstwas erschreckt würde. Langsam atmete es etwas ruhiger, und zwischendurch guckte es sogar mit wacheren Augen um sich. Uns hatte es anscheinend akzeptiert, jedenfalls zeigte es keine Angst. Irgendwann kam eine Frau aus dem Haus in der Nähe, und nachdem auch ihre Katze auftauchte, beschloss das Reh dass es jetzt Zeit wäre. Es stand auf, fast wie wenn nichts gewesen wäre, und machte sich in ein Wäldchen davon. Das wars - jetzt konnten wir wieder aufs Boot und uns auch aufwärmen - wenn nicht die Heizung ausgefallen wäre.

Aber wir waren ja wieder unterwegs zur Basis, also dort anrufen und uns mit dem Heizungsproblem ankündigen. Der Techniker brauchte eine Stunde, und wir assen dafür im L'Amiral in St. Léger zu mittag. Als Nicht-Fleischesser ist das öfters ein Problem in Frankreich, aber hier wurden wir positiv überrascht. Die Wirtin guckte zwar genauso perplex wie alle Franzosen, wenn sie "ni viande ni poisson" hören, aber sie machte uns sofort einen Menüvorschlag und das Essen war dann auch sehr fein. Am Nachmittag konnten wir wieder ablegen und fuhren Richtung Digoin.

Die Reise bis Digoin verlief problemlos, die Schleusen waren alle bereit, Verkehr hatte es wenig. Auf der schönen Scheitelstrecke bei Montchanin übernachteten wir gegenüber der Strasse, und alle Camions dort hatten anscheinend Freude an unserem Boot - sie grüssten hupend. Unsere im letzten Jahr gekaufte Navicarte war nicht wirklich auf dem neusten Stand. Die in der Karte aufgeführte Connoisseur-Basis in Montchanin existiert seit Jahren nicht mehr; mittlerweile ist dort ein kleiner, komplett voll belegter Hafen. Andere in der Karte erwähnte Anlegemöglichkeiten sind nicht vorhanden, dafür gibt es einige nette Anlegestellen, teils mit Wasser und Strom, die in der Karte nicht erscheinen. In Genelard konnten wir im grossen Hafenbecken direkt nach der Schleuse festmachen. Nachher konnten wir in Ruhe die Ankunft des "Baron de l'Ecluse" beobachten. Die Schiffersfrau (oder wars eine Passagierin?) beklagte sich bei der Einfahrt lauthals auf schweizerdeutsch, dass wir zuviel Platz belegen. Sie hatte wohl nicht bedacht, dass wir auch Schweizer sein könnten. Wie auch immer, der "Baron" machte dann problemlos an zwei Pollern fest und hatte immer noch 20 Meter Abstand zu uns.

Am nächsten Tag fuhren wir bis Paray le Monial, das eine schöne Basilika besitzt und wie sich herausstellte, eine Pilgerstadt ist. In vielen Läden kann man kirchliche Souvenirs erstehen, und überall gab es Bücher vom alten und vom neuen Papst (Jean-Paul II und Benoît XVI). In Paray wollten wir Landstrom beziehen, und zum Glück hatte vor uns ein Schweizer mit seinem eigenen Schiff festgemacht. Er hatte gemerkt, dass aus der Dose kein Strom kommt, und da er Paray schon kannte, ging er das melden. Nachdem ein Mietboot (natürlich?) keinen Ladeanzeiger hat, hätten wir frühestens am nächsten Morgen gemerkt, dass da kein Strom war. Nachdem die Techniker das Problem gelöst hatten, gingen wir ins "Canal Pizza" essen. Der Salade César ist sehr fein, die Pizza auch, aber sehr gross!

Von Paray gings weiter nach Digoin, wo wir einen Ruhetag einlegten. So konnten wir in Ruhe einkaufen und das ObservaLoire sowie den Pont Canal besichtigen. Das ObservaLoire ist eine Ausstellung über die Loire und ihre Schiffahrt. Sehr interessant und auch hübsch gemacht, man lernt die Fische kennen, die frühere Schiffahrt und die Loire als wohl letzten freien Fluss Europas. Vom Pont Canal aus konnten wir die Loire bewundern; das Wasser zieht mit dem aktuellen Hochwasser doch ziemlich stark an den Brückenbögen vorbei. Im gut sortierten Marine-Laden im Hafen von Digoin haben wir uns mit einigen Karten und Büchern eingedeckt.

Auf der Weiterfahrt in Richtung Roanne hat es einige 6-Meter-Schleusen, die sich aber so sanft füllen, dass man eigentlich keine Leinen braucht. Der Canal de Roanne à Digoin trägt den Übernamen "le canal tranquille", und so präsentiert er sich auch: friedlich, ruhig, grün läuft er neben der Loire entlang. Die Schleusenwärter sind freundlich, und das Klima wie meist an der Loire sehr mild. Hier ist die Kirschblüte, die weiter nördlich erst beginnt, schon vorbei, es ist deutlich wärmer und meistens sonnig. Auf den weiten Uferflächen der Loire grasen Charolais-Rinder. Es ist Frühling, die Kühe haben ihre Kälbchen bei sich, die Stiere sind in Gruppen separat von den Kühen untergebracht. Wenn das Anlegen an Wasserstellen der Kühe nicht sowieso verboten wäre, würde es sich hier trotzdem nicht empfehlen. Die Stiere zeigen überhaupt keine Angst vor einem Schiff, und es hat doch einige recht kräftige Exemplare unter ihnen...

Auf dem Kanal von Roanne lässt sich unterwegs nicht gut anlegen. Die Ufer sind entweder ausgebrochen und versandet oder die Befestigungen derart, dass es knapp unter der Wasserlinie Steinwände oder Felsbrocken hat. Es gibt aber einige hübsche "halte nautiqes", unter anderem in Artaix, wo wir übernachteten. Der Hafen von Roanne ist so gross, dass man ihn bei der Einfahrt nicht überblicken kann. Dafür gibt es eine extra Anlegestelle bei der Capitainerie, wo man sich anmelden und einen Platz zuweisen lassen kann. Leider war diese Anlegestelle durch länger liegende Boote besetzt, aber es hatte trotzdem noch Platz für uns. Die Stadt Roanne selbst ist etwas grösser; am Hafen selbst hat es weder Restaurants noch Versorgungsmöglichkeiten. Wir legten in Roanne einen Ruhetag ein, um den Staudamm von Villerest zu besichtigen.

Die Rückfahrt verlief wieder problemlos und gemütlich. Es hatte wenig Verkehr, die Schleusen waren alle bereit und so hatten wir nur kurze Tagesetappen. Wir waren einen Tag früher zurück und konnten dafür noch einmal im L' Amiral in St. Léger essen. Da wir an einem Übernahmetag in der Basis eintrafen, konnten wir einige Boote bei der Einweisungsfahrt beobachten. Etwas neidisch guckten wir schon, kurvten da doch völlige Neulingen problemlos mit den kleinen 935-ern im Hafenbecken herum, was wir nicht mal nach drei Wochen geschafft hätten.

Am Sonntag gaben wir das Boot ab und fuhren noch in Chalon vorbei, um den Port de Plaisance jetzt bei Normalwasserstand anzusehen. Wir merken uns, dass wir eine Fahrt auf einem Fluss besser erst ab Mitte Mai planen sollten.
 

Datum   Ort Fahrzeit Kilometer Schleusen
Montag 18.04.05   St. Léger 0.0 0.0 0
Montag 18.04.05   Santenay 2.0 9.0 4
Dienstag 19.04.05   Chalon sur Saône 5.0 20.0 11
Mittwoch 20.04.05   Santenay 5.0 20.0 11
Donnerstag 21.04.05   Saint-Bérain-sur-Dheune 4.0 13.0 7
Freitag 22.04.05   Montchanin 4.0 14.0 16
Samstag 23.04.05   Montceau-les-Mines 3.0 13.0 9
Sonntag 24.04.05   Génelard 4.0 18.0 7
Montag 25.04.05   Paray-le-Monial 3.0 20.0 7
Dienstag 26.04.05   Digoin 3.0 12.0 3
Mittwoch 27.04.05   Ruhetag 0.0 0.0 0
Donnerstag 28.04.05   Artaix 7.0 28.0 8
Freitag 29.04.05   Roanne 4.0 30.0 3
Samstag 30.04.05   Ruhetag 0.0 0.0 0
Sonntag 01.05.05   Briennon 3.0 14.0 3
Montag 02.05.05   Avrilly 4.0 29.0 4
Dienstag 03.05.05   Paray-le-Monial 6.0 27.0 7
Mittwoch 04.05.05   Montceau-les-Mines 6.0 37.0 14
Donnerstag 05.05.05   Blanzy 1.0 3.0 2
Freitag 06.05.05   Saint-Julien-sur-Dheune 5.0 17.0 15
Samstag 07.05.05   St. Léger 3.0 11.0 11
Sonntag 08.05.05   St. Léger 0.0 0.0 0
    Total 72.0 335.0 142
 

 



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