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Samstag, 07.10.17
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Sonntag, 08.10.17
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Montag, 09.10.17
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Dienstag, 10.10.17
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Mittwoch, 11.10.17
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Donnerstag, 12.10.17
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Freitag, 13.10.17
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Samstag, 14.10.17
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Sonntag, 15.10.17
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Montag, 16.10.17
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Dienstag, 17.10.17
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Mittwoch, 18.10.17
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Donnerstag, 19.10.17
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Freitag, 20.10.17
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Sommer im Herbst
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Die Reise
Obwohl wir mal eine andere Gegend befahren wollten, entschieden wir uns auch diesmal wieder für die Gegend um Chalon sur Saône. Auf der Excellence Rhône hatten wir entdeckt, dass der Schwimmsteg in Mâcon wieder vorhanden war. Diesen wollten wir nutzen, also entschieden wir uns für eine Reise zwischen Chalon und Mâcon. In Chagny wurden die Snaily-Boote angeboten, die wir schon oft gesehen, aber noch nie gefahren hatten. So buchten wir eine Hybrid-Snaily und planten die zweiwöchige Fahrt zwischen Chagny, Mâcon und Louhans, mit eventuellen Abstechern nach Verdun sur le Doubs und Pont-de-Vaux.
Die Reise verlief mehrheitlich angenehm, das Boot war in Ordnung, das Wetter schön. Die Basis von Escarg'Eau in Chagny war die kleinste bisher, allerdings lagen viele Eigner-Snailys für den Winter dort. Der Empfang an der Basis war freundlich, eine defekte Lampe wurde prompt ersetzt, die Formalitäten gingen blitzartig. Als nette Ausnahme durften wir unter unserem eigenem Permis fahren, statt als "sans permis"-Mietbootfahrer. Wie üblich im Herbst waren die meisten Mietboote mit Schweizern besetzt. Das Essen, und natürlich der Wein, waren fein wie immer im Burgund. Allerdings trafen wir viele geschlossene Restaurants an, da es doch spät in der Saison war. Dass man sich auf ausgeschriebene Öffnungszeiten nicht verlassen kann, wussten wir ja schon. Im wichtigsten Restaurant, dem Grenier à Sel in Chagny, reservierten wir deshalb telefonisch.
Unser Weinkeller hatte langsam wieder Platz für Nachschub, wir vereinbarten mit der Domaine de la Folie einen Termin und bekamen auch prompt den bestellten Wein direkt in den Hafen geliefert. Die Weine dieser Domaine waren immer gut, der Service sehr freundlich und die Preise günstig.
Wir fuhren im Oktober, um das Cheminée der Snaily ausgiebig zu testen und herauszufinden, ob das Boot für eine ganze Saison geeignet wäre. Das Wetter war auch entsprechend angekündigt, mit Temperaturen zwischen kühl und nicht kalt, einigermassen trocken und zwischendurch sonnig. Der Sturm Xavier änderte das dann, in schönes bis heisses Spätsommerwetter. Wir freuten uns natürlich, hatten aber keine Sommerkleidung dabei. Weil die Sonne so tief stand, gaben weder Bimini noch Sonnenschirm genug Schatten. Ich war nahe daran, eine Jeans einfach abzuschneiden, weil ich keine Shorts hatte. Trotzdem war es abends und vor allem morgens kühl, wir konnten Cheminée und Heizung ausprobieren und fanden heraus, dass das Badezimmer nicht beheizt war.
Schon bevor wir losfuhren, erhielten wir den "Préavis de Grêve nationale" von VNF. Das war nun nichts Neues und zu erwarten, "la Gauche" musste sich gegen die geplanten Massnahmen in den französischen Arbeitsgesetzen erheben. Der erste Dienstag sollte also ein Ruhetag werden, deshalb strichen wir den Abstecher nach Verdun und legten stattdessen einen Ruhetag in Chalon ein. Dank dem schönen Wetter legte sich gern der Nebel über den Fluss und verzog sich manchmal erst nach Mittag wieder. So wurde die Fahrzeit noch ein bisschen reduziert, und als wir dann noch eine zweite Streik-Ankündigung erhielten, strichen wir auch Louhans aus dem Programm. Louhans lag an der Seille, die auch gerne Nebel hatte, und mit zweimal fünf Stunden Fahrzeit wäre es eng geworden.
Auch dieses Mal navigierten wir weniger als geplant. Dafür konnten wir uns ausruhen und die nächsten Ferien planen. Mittlerweile hatten wir fast überall gute Internetverbindungen, sodass wir zwischendurch Zeitung lesen oder in Ferienangeboten schmökern konnten. Auch die Avis von VNF kamen per Mail immer prompt an. Die in den Häfen angebotenen WiFi-Zugänge waren meist sehr langsam, wenn sie überhaupt funktionierten.
Nachdem das schöne Wetter quasi beendet war, sollte es ab dem letzten Freitag nur noch regnen. Wir beschlossen wieder einmal, das Boot einen Tag früher abzugeben. Auf einen Regentag und einen nasskalten Morgen im Boot konnten wir verzichten. So fuhren wir schon am Freitag wieder nach Hause.
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Das Boot
Die Boote von Snaily kannten wir aus Katalogen und waren ihnen auch schon öfters begegnet. Snaily bot auch ein Hybrid-Modell an, das wahlweise mit Diesel oder Strom gefahren werden konnte. Da uns sowas schon länger vorschwebte, probierten wir es aus und buchten die Snaily 325 CSH. Der Erfinder und Erbauer der Snailys war ein Schweizer, die Boote waren eigentlich als Eignermodelle konzipiert, mit viel Platz und entsprechend teuer zu mieten. Wir hatten schonmal ein Snaily besichtigt und den Eindruck, dass es unser "Wunschboot" werden könnte.
Unser Boot, die (der?) Giacomo war nicht ganz neu, aber es funktionierte alles wie vorgesehen. Wir hatten Platz genug, zum Wohnen und zum Verstauen unseres Gepäcks. Leider war die Deckenhöhe nur für mich ausreichend.
Die Küche war gross und eigentlich schön, die runde Eckbank bequem und der Tisch tiptop. Aber diesen Polster-Halbkreis jedesmal hochheben um an die Getränke zu kommen, stellte sich als unpraktisch heraus. Zumal man das Ding herunterkrachen lassen musste, weil man sich sonst die Finger eingeklemmt hätte. Kühlschrank und Kochherd funktionierten, allerdings belastete der Glaskeramik-Herd die Batterien doch sehr. Das Spülbecken war in Ordnung, und es gab sogar einen Extrawasserhahn mit Osmose-Wasser aus dem Schiffstank. Nur kam das Wasser immer aus beiden Auslässen, egal welche Leitung man öffnete. Irgendwie machte das keinen Sinn. Und die Arbeitsfläche der Küche war gefliest: Plättli im 10x10 cm Format, mit tiefen Fugen dazwischen. Wer sich sowas ausgedacht hatte, hatte noch nie in einer Küche Brotkrümel abgewischt. Leider war das Licht nicht ausreichend. Über dem Herd leuchteten etwa 0,1 Watt, Kochen ohne Tageslicht wurde zum Glücksspiel. Das Licht am Tisch war wiederum tiptop.
Im erhöhten Steuerstand befanden sich zwei Barhocker, die wir als erstes rausgeschmissen hätten. Sie waren ständig im Weg. Ein bequemer Sessel stand da auch, wurde von uns aber als Kleiderablage benutzt. Vorne unterhalb vom Steuerstand war der Salon, mit Stauraum, Glastisch und Ausziehsofa. Im Gang hatte es eine Art Wandschrank mit Schiebetüren, dahinter Kommoden und eine Kleiderstange. Stauraum gab es wirklich mehr als genug. Leider war dafür das Badezimmer zu klein, man konnte sich knapp umdrehen darin. Es hatte ein Spiegelschränkchen und ein kleines Lavabo, das leider auch zuwenig tief war, sodass man knapp eine Hand unter den Wasserhahn bekam.
Im Schlafzimmer hatten wir Platz, das dritte Bett nutzten wir als Lagerraum. Das Bett hatte einen richtigen Lättlirost mit Matratze, tiptop. Leider war die Umrandung aus Holz zu hoch, ich hatte ständig blaue Knie. Ausserdem war der Boden immer sehr kalt.
Die Heizung: die Snaily-Boote hatten ein Cheminée in der Küche. Das war hübsch und heizte auch sehr schön, was an kühlen Herbst-Morgen und -Abenden angenehm war. Leider heizte es hauptsächlich den Steuerstand, und da konnte man nicht gemütlich sitzen. Der vordere Bootsteil mit Salon, Bad und Schlafzimmer wurde durch eine Dieselheizung mit Radiatoren gewärmt. Wir kannten das von den Pénichettes, aber leider reichte die Heizung auf der Snaily nicht aus. Der Boden war und blieb kalt, das Badezimmer war überhaupt nicht beheizt - das sorgte nicht für gute Stimmung am Morgen. Am wärmsten wurde es während der Fahrt mit Vollgas, nur brauchten wir dann die Wärme nicht, und abends war sie mangels Isolation wieder weg.
Aussen konnten wir wie bei den Pénichettes rundum spazieren, nur die Flybridge war im Weg. Und diese war, auch wie bei den Pénichettes, unpraktisch weil man hinten nicht seitlich raus konnte. So lagen die hinteren Leinen dann jeweils oben auf Deck herum, nachdem wir am Anfang "durch die Küche unten hinten raus, Leine durch Reling und Velohänger aufs Dach wursteln, Treppe aussen hoch und mit der Leine über die vordere Treppe zum Ausstieg" praktiziert hatten.
Dafür gab es diesmal unsere vielgewünschte Mittelklampe, mit der man das Boot an einer Leine an Ort halten konnte. Sofern es einen passenden Poller an Land hatte. Die Sicht fürs Navigieren war weniger gut als erwartet, mit meiner Grösse sah ich hintenraus nichts, ohne mich zu bücken oder auf Zehenspitzen zu stehen. Das Boot hatte eine nach oben gerundete Form, auch die Reling war nicht gerade, sodass wir keine gerade Linie zum Peilen hatten.
Immerhin war das Boot angenehm zu manövrieren, es reagierte brav und ziemlich gleichseitig. Die Fahrt mit dem Stromantrieb war super leise und angenehm, mit "Vollgas" hatten wir genau die richtigen 6 km/h für den Kanal. Für den Fluss hätte das aber nicht ausgereicht. Dafür konnte man mit Dieselfahrt die Batterien wieder aufladen, was auch sehr nützlich war. Leider war das "hybrid" nicht so wie gedacht: zum Umschalten zwischen Strom und Diesel musste man jeweils ausschalten, Zündung raus, und den anderen Motor einschalten/zünden. Die Fahrt unter Diesel war dafür sehr laut und es vibrierte alles, teilweise verstand man sein eigenes Wort nicht.
Das Boot hatte eine Flybridge, diese nutzten wir auch einmal, weil die Sicht fürs Anlegemanöver da besser war. Leider war der obere Gashebel ziemlich verhockt, was ein etwas ruppiges Manöver ergab. Danach fuhren wir wieder im unteren Steuerstand.
Schlussendlich hatten uns zwei Wochen gereicht, wir würden auch dieses Boot nicht mehr mieten. Es hatte viele sehr gute Ideen und Konzepte, die aber leider nicht ganz durchgezogen oder nicht richtig umgesetzt waren. Wir erfuhren dann auch, dass der Giacomo nun nicht mehr vermietet würde, er war verkauft und würde komplett renoviert. Das war das zweite Boot, wo wir die letzten Mieter waren. Sollte uns das zu denken geben?
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