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Samstag, 27.08.16
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Sonntag, 28.08.16
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Montag, 29.08.16
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Dienstag, 30.08.16
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Mittwoch, 31.08.16
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Donnerstag, 01.09.16
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Freitag, 02.09.16
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Samstag, 03.09.16
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Sonntag, 04.09.16
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Montag, 05.09.16
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Dienstag, 06.09.16
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Mittwoch, 07.09.16
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Donnerstag, 08.09.16
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Freitag, 09.09.16
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Samstag, 10.09.16
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Eine halbe Péniche
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Das Boot Im letzten Herbst war uns ein Boot aufgefallen, das genau für uns gebaut schien: praktisch, gross und für Kanäle und Flüsse gebaut. Im Internet fanden wir dann das Boot, eine Escapade Impérial Fly, zu mieten bei Pavillon Saône.
Mit der Buchung hatten wir Glück, da das Boot bereits verkauft war und ab Oktober nicht mehr zur Verfügung stehen würde. So konnten wir wenigstens noch ausprobieren, ob es tatsächlich unser "Traumboot" wäre.
Das Boot wurde von Chantier Naval America erbaut. Dahinter steht Noël Talmar, welcher sehr kompetent Boote baut und auch selbst vermietet.
Die "Mississippi" war denn auch gebaut, um länger auf dem Boot leben zu können. Mit ihren 15 Metern Länge und 4.50 Metern Breite hatte sie eine Wohnfläche von über 60 Quadratmetern, und dazu kam noch die grosse Terrasse obendrauf. Das Boot war für zwei Personen konzipiert und besass deshalb nur ein Schlafzimmer - aber dieses fast so gross wie zuhause, mit einem ganz normalen Bett mit Lättlirost. Auch der Salon war sehr gross, mit Fauteuil und Sofa ausgestattet. Auch das Ausziehsofa war ein komfortables Bett, sodass man dort Gäste unterbringen könnte, halt nur durch einen Vorhang von der Küche getrennt. Im Schlafzimmer wie im Salon hatte es separate Badezimmer.
Die Küche war ebenso gross dimensioniert, mit viel Stauraum und Arbeitsfläche. Dieses Boot war mit handelsüblichen Möbeln ausgestattet, der Besitzer könnte jederzeit sein Mobiliar anpassen.
Das Luxuriöse an der Mississippi waren die beiden Maschinen: in der Küche eine Geschirrwaschmaschine und im separaten WC eine Waschmaschine! Ich musste natürlich beide Maschinen ausprobieren und war sehr zufrieden.
Zum Wohnen - auch für längere Zeit und im Winter - war die Mississippi also absolut geeignet. Mit normalen Radiatoren und einer Heizung, die wahlweise mit Gas, Diesel oder Strom betrieben werden konnte, würde man nicht frieren. Erst recht, da die Stahlhülle mit 75 mm Steinwolle isoliert war.
Im Sommer - der während dieser Fahrt die letzten Monate nachholte - konnten wir wunderbar auf der grossen Terrasse sitzen, im Schatten des Bimini. Und vorne über dem Schlafzimmer trocknete die Wäsche schnell.
Ein solches Schiff hatte natürlich auch sein Gewicht: 22 Tonnen, plus je 2 Tonnen Diesel und Trinkwasser, verdrängten 26 Tonnen Wasser. Bei unseren ersten Fahrten auf der Saône verhielt sich das Schiff sehr gut. Die geraden Seiten machten das "Zielen" einfach, und die Mississippi war ein gmögiges Schiff.
Wir mussten aber immer dran denken, dass in den 26 Tonnen viel Energie steckte. Auf dieser Fahrt bekamen wir eine Ahnung davon, wie eine Péniche zu fahren wäre. Richtungsänderungen mussten früher als bei anderen Booten "eingegeben" werden, wie unser Fahrlehrer zu sagen pflegte. Und alle Manöver nur ganz langsam. Das bedeutete, wirklich seeehr langsam. So langsam, dass wir dem Schiff beim Einlaufen in eine Schleuse quasi Zentimeter für Zentimeter zuschauen konnten. Weil wenn wir falsch gesteuert hatten oder noch zuviel Geschwindigkeit, würde das Boot nicht mehr rechtzeitig auf eine Korrektur reagieren.
Es half uns, dass wir zuerst auf der breiten Saône und den grossen Schleusen fuhren. So konnten wir uns langsam an das Schiff gewöhnen. Auf dem ersten Kanalkilometer rasierte ich dann aber einige Brombeer- und Hopfensträucher am Ufer ab. Ich hatte die Kurve voraus nicht rechtzeitig angesteuert und vor allem nicht bedacht, dass ein 15 Meter Schiff, wenns nicht genau parallel zum Kanal fuhr, fast die ganze Kanalbreite brauchen würde...
Dafür war das Anlegen ein Vergnügen. Sogar seitlich parallel in eine Lücke ging die Mississippi brav, mit Bugstrahler war das wirklich einfach. Wir brauchten nur mehr Zeit als gewöhnlich für solche Manöver, da sich die Masse nur langsam bewegte.
Unsere Mississippi sorgte in vielen Häfen für aufmerksame Blicke. Sie sah nicht wie ein Mietboot aus, eigentlich gar nicht wie ein übliches Bootsmodell. Wir steuerten immer auf der Terrasse, und bei diesem Boot konnte man das tun, was "die Grossen" tun: Ruder legen, schauen, langsam zwei Schritte nach links gehen und die Bootsbewegung zum Ufer abschätzen, wieder zwei Schritte zurück zum Ruder und korrigieren - alles in absoluter Ruhe. Wir kamen uns sehr souverän vor ;-)
Es gab aber auch Nachteile beim Fahren, vor allem auf dem Kanal. Wir waren nur einen halben Meter schmäler als eine Péniche und brauchten entsprechend Platz. Das bedeutete, das Schiff immer pfeilgerade in der Mitte zu halten. Dies war auf die Dauer sehr anstrengend - das Fahren war so kein reines Vergnügen mehr. Ich traute mich fast nicht, die Augen vom Kanal zu nehmen und die Gegend anzuschauen.
Einmal mussten wir vor einer Schleuse warten. Das Boot wollte immer dann, wenn mans eine halbe Minute nicht beachtet hatte, in eine andere Richtung treiben. So verbrachte ich eine gefühlte halbe Stunde mit dem Fixieren eines Grashalms am Ufer, um jede Bewegung der Mississippi sofort stoppen zu können. Nachdem dann auch noch eine Tjalk aus der Schleuse kam, war ich froh drum, noch in der richtigen Position zu stehen.
Im Ganzen war die Mississippi sehr gut und wesentlich zuverlässiger manövrierbar als ein "kleines Plastikboot". Nur Brückendurchfahrten erwiesen sich als gefährlich: auf der Terrasse stehend, waren wir zu hoch unter den Brücken und mussten uns jeweils bücken. Gleichzeitig sahen wir dann auch nicht mehr voraus. Wir hatten Glück, dass wir nie den Kopf anschlugen.
Schlussendlich war auch die Mississippi nicht unser Traumboot. Für Kanäle war sie definitiv zu hoch gebaut, teilweise müsste man sogar den Steuerstand abmontieren, um unter niedrigen Brücken durchzukommen. Der innere Steuerstand war zwar schön, aber für mich wiedermal zu hoch - ich sah überhaupt nur den Himmel von dort aus. Alles andere war aber super.
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Die Reise
Eigentlich hatten wir die Saône um Chalon und Tournus schon oft befahren und hätten uns wiedermal eine Kanalfahrt ausgesucht. Weil die Escapade Impérial Fly aber nur in Tournus zu mieten war, planten wir eine Kombination aus Fluss- und Kanalfahrt. Von Tournus aus wollten wir Richtung Norden bis höchstens Saint Jean de Losne, auf dem Canal du Centre bis Chagny und dann weiter südlich noch die Seille bis Louhans befahren.
Der Sommer war vorher nicht sehr überzeugend, es war eher nass und kalt. Wir hatten diesmal aber viel Wetterglück: es war immer schön und warm, teilweise fast zu heiss um gemütlich auf dem Stahldeck zu sitzen. Anscheinend wollte der Sommer alles nachholen, was uns in den Wochen davor gefehlt hatte.
Das Fahren mit und auf der Mississippi machte Spass und in allen Häfen wurde das Boot bestaunt. Auf den Kanälen wurde es aber anstrengend. Nach einem Tag Kanalfahrt bis Chagny waren wir erschöpft und auch froh, dass wir in den Schleusen immer die leichtere, hintere Position hatten. Dieses Schiff hätte ich sicher nicht halten können gegen eine Schleusenströmung.
Dafür war das Essen im Grenier à Sel wieder hervorragend, wie meistens auf dieser Reise. Und wir konnten noch einmal einige Kartons Wein von der Domaine da la Folie kaufen, der uns freundlicherweise direkt ans Boot geliefert wurde.
Nachdem wir den Kanal wieder froh und müde verlassen hatten, legten wir gleich mehrere Ruhetage in Chalon ein. Es war Regenwetter angesagt und das Fahren auf der Flybridge war uns so zu unangenehm.
Wir beschlossen, auf die Fahrt nach Louhans zu verzichten. Die Seille war ein wunderschöner Fluss, aber sehr gewunden und mit diesem Schiff wäre das sehr anstrengend. Auch den Halt in Mâcon verkürzten wir, da der Steg in der Stadtmitte nicht mehr vorhanden war. Der schöne neue Hafen lag zu weit ausserhalb, um von dort aus zu Fuss in die Stadt zum Essen oder Einkaufen zu gehen.
Dafür funktioniertie dieses Mal die Schleuse zum Stichkanal nach Pont de Vaux. Wir fanden im Hafen einen Platz und blieben zwei Tage, weil es da so schön war. Pont de Vaux war ein lebhaftes Städtchen mit vielen Geschäften und Beizen, wo wir gemütlich flanieren und fein essen konnten. Der grössere Teil des Hafens war an Langlieger vermietet, aber was für ein Luxus: Jedes Schiff hatte seinen eigenen Parkplatz direkt am Steg, die Stege waren gut unterhalten, es hatte viele Stromanschlüsse und war ruhig und grün gelegen. Der Abstecher nach Pont de Vaux hatte sich gelohnt.
Wir waren auf dieser Reise nicht viel gefahren, hatten aber eine schöne Zeit bei wunderbarem Wetter verbracht und sehr viel sehr fein gegessen.
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