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Samstag, 21.05.16
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Sonntag, 22.05.16
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Montag, 23.05.16
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Dienstag, 24.05.16
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Mittwoch, 25.05.16
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Donnerstag, 26.05.16
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Freitag, 27.05.16
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Samstag, 28.05.16
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Sonntag, 29.05.16
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Montag, 30.05.16
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Dienstag, 31.05.16
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Mittwoch, 01.06.16
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Donnerstag, 02.06.16
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Freitag, 03.06.16
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Frühling im Elsass
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Das Boot Nicols-Boote waren für uns bisher kein Thema, da sie sehr viele Personen auf kleinstem Raum unterbrachten und die Betten entsprechend "verschachtelt" angeordnet waren. Meist war nur der Kopfteil frei, der Rest verschwand unter dem Salon oder unter anderen Kabinen. Vor zwei Jahren brachte Nicols aber zwei neue Boote der Estivale-Serie heraus, die Quattro S und Sixto S mit jeweils einer grossen Eignerkabine. Im letzten Jahr konnten wir ein solches Boot an der Nicols-Basis in Dole besichtigen. Es machte einen guten Eindruck, grosser Salon, gute Rundumsicht, auch eine gute Sicht für mich nach vorne und eine schöne runde Duschkabine. Wir entschieden uns also für eine Nicols Quattro S und buchten zwei Wochen ab Saverne. Der Zugang vom Heck war fürs Ein- und Ausladen praktisch. Wir hatten auch mehr als genug Stauraum für unser Gepäck und die Vorräte, wobei die Getränke unter dem Salon bestens gekühlt wurden. Das Boot war nur zwei Jahre alt und in entsprechend gutem Zustand, alles funktionierte bestens. Auch beim Navigieren zeigte sich unsere "Baccarat" von der guten Seite. Sie war sehr drehfreudig, wenden auf engstem Raum ging links- wie rechtsrum sehr gut. Dafür lief sie nicht so gern geradeaus. Rückwärts lief sie allerdings weder geradeaus noch wirklich berechenbar nach links oder rechts, unabhängig vom Ruder. Das Ein- und Aussteigen war bei diesem Boot etwas umständlich. An Seiten und Bug verlief eine Reling, über diese konnten wir nur mit schwierigen Klettermanövern gelangen; die Reling gab sogar etwas nach. Die einzigen seitlichen Ausstiege waren über Türchen links und rechts, dafür musste das Boot aber nahe und parallel am Ufer sein. Ohne Bugstrahler war das teils schwierig. Ausserdem klemmten die Türen und hatten eine Art Stall-Verschluss, an dem ich mir die Finger quetschte. Die Zugänge zum Bug und auf die Flybridge waren Treppen, aber eher für kleine Füsse geeignet.
Der innere Steuerstand war für mich zwar sehr gut, aber für Leute grösser als 1.60 eher zu klein. Der Käptn musste immer irgendwie schräg sitzen, weil zuwenig Platz da war. Die Frontscheiben waren wie bei vielen Booten schräg, und die Ablagefläche darunter weiss - das Weiss spiegelte dann in den Scheiben und man sah ziemlich wenig. Wir legten jeweils ein dunkles Handtuch drauf. Zwei der Scheiben liessen sich zur Seite schieben, allerdings waren dann doppelte Gläser direkt in der Sicht und auch das störte. Diese "doppelten Gläser" hatten einen Abstand, wo sich mit Vorliebe Insekten versteckten, statt sich anständig aussiedeln zu lassen - und wir konnten dann die Scheiben nicht mehr zuschieben, weil sonst die Viecher in den Dichtungsgummis zerquetscht wären.
Der äussere Steuerstand war eine Katastrophe. Die Sitzbank mit einer Sitzhöhe von circa 15 Zentimetern (!) hielt nicht einmal richtig, sondern kippte beim ersten Windstoss nach hinten um. Die Konsole mit sehr kleinem Steuerrad und hartgehendem Gashebel war nicht fest, sondern wackelte von oben nach unten. Man musste praktisch, um den Gashebel zu bedienen, die Konsole festhalten, sonst drückte man sie einfach gegen den Boden. Auch das Steuerrad war sehr schwergängig. Sitzen ging nicht, im Stehen waren wir beide zu gross, also musste man obendrauf gebückt fahren. Kurz, der obere Steuerstand war nicht zu gebrauchen.
Die Küche war gut ausgerüstet mit einem grossen Kühlschrank, Vier-Flammen-Herd und Backofen sowie einem Doppelspülbecken. Das zweite Becken würden wir an Bord nie brauchen, der Platz wäre als Ablagefläche besser nutzbar. Der Kühlschrank war etwas ungewöhnlich angeschlossen mit einem Schalter, den wir jeweils zwischen Bord- und Landstrom umschalten mussten. Vergass man das einmal, so blieb der Kühlschrank einfach ausgeschaltet.
Die grosse Kabine war sehr geräumig, wir hatten mehr als genug Platz für unsere Kleider und was wir sonst noch alles dabei hatten. Auch das Bett war gross genug, die Matratzen leider mit Kunstleder bezogen und die Decken und Kissen mit Kunststoff gefüllt. So schwitzten wir im Bett, auch wenn wir (jedenfalls ich) eigentlich froren. Die Heizung war nicht effizient genug; nur im Salon wurde es einigermassen warm, die Kabine blieb ziemlich kühl.
Im Badezimmer gab es ein elektrisches WC, das gut funktionierte, aber diese WCs nutzten Trinkwasser und somit mussten wir wesentlich öfter Wasser bunkern als gewohnt. Ablagefläche gab es gar keine, dafür zwei Türen, eine in den Gang und eine ins Schlafzimmer. Zu zweit an Bord machte das keinen Sinn. Die Dusche war fast wie zuhause, eine runde Duschkabine, sodass man nicht das ganze Badezimmer nässte beim Duschen. Das Ganze hatte nur einen, dafür einen gravierenden, Nachteil: das Badezimmer war nicht beheizbar. Die Heissluftleitung verlief auf der rechten Bootsseite, das Badezimmer war links. Stattdessen wurde mit der Frontscheiben-Antibeschlagslüftung Luft ins Badezimmer geblasen. Bei laufendem, warmem Motor wurde diese Luft lauwarm, sonst hatte sie einfach die Aussentemperatur. Ich fragte mich lange, wer wohl auf diese glorreiche Idee gekommen war...
Im Ganzen besehen, wirkte das Boot eher Design-optimiert, jedenfalls hatte es zuviele Nachteile für uns. Die Nicols-Basis in Saverne machte aber einen guten Eindruck, das Personal war sehr freundlich, hilfsbereit und kompetent.
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Die Reise Wir waren früher schon einmal durch Saverne gefahren, das Städtchen war nett und gefiel uns, wie überhaupt das Elsass. Da wir uns diesmal für ein Nicols-Boot entschieden hatten und es in Saverne eine Nicols-Basis gab, buchten wir zwei Wochen bei Nicols. Die Reise war meistens angenehm, der Kanal und die Schleusen gut unterhalten. Wir fanden nicht überall Restaurants oder Boulangeries, da die Dörfer manchmal zu weit weg vom Kanal lagen. Deux Minutes per Auto waren uns zu Fuss zu weit... Die Schleusen im oberen Teil waren als Ketten organisiert. War man einmal in einer Kette drin, war die nächste Schleuse jeweils bereit. Vor allem in der schleusenreichen Strecke zwischen Saverne und Arzviller war das angenehm. Wo wir Restaurants fanden, war das Essen fast immer sehr gut. Rote Weine gab es weniger, und die weissen waren uns oft zu süss. So wichen wir manchmal auf Bier aus, davon gab es im Elsass viele verschiedene. Das Fischer Blonde schmeckte uns beiden gut, ebenso das Licorne. Der erste Teil unserer Fahrt führte kanalaufwärts, via Lutzelbourg bis unterhalb des Schiffshebewerks Arzviller. Dort lagen wir ganz einsam und friedlich. Wir hatten extra am Quai gegenüber des Wartequais für das Schiffshebewerk festgemacht, der mit einem grossen Schild gekennzeichnet war. Weit und breit war kein anderes Boot zu sehen. Aber die ankommenden Boote, die offensichtlich mit dem Schiffshebewerk nach oben wollten, legten immer hinter uns an. Sie dachten alle, wir wären die Warteschlange... Beim Schiffshebewerk drehten wir um und fuhren wieder zurück nach Saverne. Die Schleuse mitten im Städtchen zog nicht nur uns an; Touristen wie Einhimische standen dort gern herum und beschauten die Schleuse, mit und ohne Boote. Einmal konnten wir ein Abschleppmanöver der Nicols-Techniker beobachten, welche ein liegengebliebenes Boot von oberhalb der Schleuse zurück zur Basis schleppten. Das war nicht ganz so einfach, und diese Boote hatten fast nirgends einen geraden Rand, wo man sie richtig aneinander festmachen konnte. Das Wetter war diesmal sehr launisch. Es wechselte ständig zwischen schön und warm bis drückend, gewitterhaft windig und regnerisch bis nasskalt. Das Tal des Zorn zwischen Saverne und Lutzelbourg hatte auf beiden Seiten steile Hänge, und so war unsere Reise bisher sehr kühl verlaufen. Im zweiten Teil ging es in die Ebene Richtung Strasbourg, und hier wurde es wärmer und sonniger. Es hatte sich einiges verändert, so war die Auberge de la Forêt geschlossen und die Canalous-Basis lag nicht mehr in Hochfelden. Gemäss Internet wurde sie nach Waltenheim verschoben, aber dort war weit und breit nichts von Canalous zu sehen. Wie letztes Mal waren aber einige Häfen in Dörfern von grossen Schiffen als Dauerliegern belegt, sodass wir dort nur vorbeifahren konnten. Der freundliche Hafen im Bassin de l'hôpital in Strasbourg wurde vor einiger Zeit "rasé" - im wahrsten Sinne des Wortes. Statt Hafen führte nun ein Veloweg direkt am Ufer entlang, dahiner standen Neubauten mit Sozialwohnungen. Der Hafen wurde nicht ersetzt, wie Lyon schien auch Strasbourg nicht an Bootstouristen interessiert. Oder nur an den Hundertschaften, die mit Kreuzfahrern, Bussen und Flugzeugen ankamen und möglichst schnell wieder Platz für andere machten. Wir lagen deshalb einige Tage in Souffelweyersheim. Neben einem schönen Quai mit Wasser und Strom, direkt neben einer Schleuse gelegen, gab es ein Restaurant nebenan und eine gute Busverbindung ins Zentrum von Strasbourg. Was wollte man mehr? Wir nutzten den Bus, um Strasbourg und mögliche Anlegeplätze zu erkunden. Die Trams in Strasbourg waren sehr praktisch und dank den übersichtlichen Plänen auch für Ortsunkundige einfach zu benutzen. Der Place de l'Homme de Fer hätte ein Vorbild für den Basler Centralbahnplatz sein können: Trams kreuz und quer, Autos irgendwo auch noch, Ampeln teilweise und Fussgängerstreifen als Rauten abgebildet, vor lauter Tramschienen. Man musste einfach gut aufpassen, woher welches Fahrzeug kam. Nach ein paar dummen Insektenstichen war ich zwei Tage blockiert, da ich keine normalen Schuhe mehr anziehen konnte. Da es sowieso regnete, spielte das aber keine Rolle. Später fuhren wir doch noch mit dem Boot nach Strasbourg und fanden sogar einen Platz bei Koejac. Wir flanierten nochmal durch die Innerstadt und das "Touristenviertel" Petite France, das wirklich sehr hübsch ist. Zusammen mit den Eltern machten wir auch noch eine Fahrt auf dem Bateau Mouche, wo wir uns über den elsässischen Kommentar amüsierten. Als wir von Strasbourg, wo das Wetter wirklich blendend gewesen war, wieder Richtung Saverne fuhren, wurde es auch wieder kühl und bewölkt. Erstaunlicherweise hatten wir während der ganzen Reise Glück; immer wenn wir navigierten, blieb es praktisch trocken. Und obwohl das Tief anscheinend direkt über Strasbourg stand und drehte, gab es im Elsass viel weniger Überschwemmungen als in anderen Teilen von Frankreich. Es war eine schöne und entspannende Reise.
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