Irgendwann einmal wollen wir den Rhein auf "eigenem" Kiel befahren, von Basel bis zum Meer. Damit wir einmal sehen, wie es auf dieser Grossschiffahrtsstrasse so zugeht, wollten wir auf einem fremdem Schiff mitfahren. Wir sind nun aber gar keine Kreuzfahrer und haben uns deshalb zu einer Reise auf einem Frachter entschlossen. Leider hatte "unser" Schiff auf eine andere Route umgestellt und fährt nun nicht mehr den gesamten Rhein ab, sondern pendelt zwischen Duisburg und Rotterdam. Auch diese Strecke ist aber interessant, nicht zuletzt weil hier der Verkehr am dichtesten und die Häfen am grössten sind. Der feste Fahrplan vereinfachte auch die Planung für die Hin- und Rückreise.
Bereits eine Woche vor der Einschiffung erhielten wir von der Reiseagentur, Internationale Frachtschiffreisen Pfeiffer GmbH, den genauen Ort und die Zeit der Einschiffung. Nach einer problemlosen Fahrt kamen wir sogar zu früh in Duisburg an. Die Theodela lag aber bereits am Containerterminal, und so konnten wir unser Gepäck schnell an Bord schaffen. Auf einem Containerterminal herumzuspazieren, ist etwas seltsam. Man fühlt sich zwischen all den Containern, Kränen, Containerstaplern und LKWs irgendwie fehl am Platz. Sobald man aber "zu einem Schiff gehört", ist das völlig normal. Wo sollen Binnenschiffer auch an oder von Bord gehen, wenn nicht dort wo das Schiff sowieso Ladung aufnimmt? Der Kapitän erklärte uns freundlicherweise, wo wir das Auto für die Woche abstellen können, was wir dann auch taten. Anschliessend bezogen wir unser Zimmer, das richtig schön gross und fast luxuriös war. Viel Platz in den Schränken, ein grosser Kühlschrank, Badezimmer wie zuhause - nur ohne Badewanne - SAT-Fernseher, Telefon, Klimaanlage... schöner ist es auch auf einem Kreuzfahrtschiff nicht.
Das schöne auf einem Frachter ist, dass man Zugang zur Brücke hat. Diese war auch unser liebster Aufenthaltsort, und sie war auch wirklich sehr schön und geräumig. Rundum nur Fenster, so konnten wir immer alles überblicken, und gleichzeitig der Arbeit der Kräne zuschauen. Erstaunlicherweise geht das Löschen und Laden relativ langsam vonstatten. Wir mussten nur etwa 50 Container aufnehmen, obwohl die Theodela über 200 befördern kann. Als ehemalige Spediteuse kann ich mich darüber, angesichts des massiven Preisdrucks, nur wundern. Aber das ist nicht mehr mein Problem ;-)
Im Prinzip bestimmt das Schiff, wie die Container im Laderaum gestaut werden. Auf der Theodela hat es für die Stauplanung ein richtig schickes Programm, mit dem man diese Planung erledigen kann. Anschliessend erhält der Lademeister des Terminals diesen Plan und der Kran müsste entsprechend laden. In der Praxis stimmt es dann meist nicht ganz. Die Theodela hat extra Ladeanzeiger, womit man genau sieht, ob eher vorne oder hinten, links oder rechts mehr Gewicht liegt. Bei älteren Schiffen ohne diese Anzeige muss mit einem Zollstock an der Bordwand nachgemessen werden. Die Container werden vom Portalkran mit einem sogenannten Spreader angehoben und dann im Schiff abgesetzt. Je nach Alter des Spreaders, Wind und Feinfühligkeit des Kranführers ist das Absetzen mehr oder weniger sanft... aber es ist immer so laut und fest, dass es nicht unbemerkt bleiben kann. Die geladenen Container werden von der Crew nochmal überprüft, damit kein falscher mitkommt und auch keiner vergessen wird - was sehr selten vorkommt.
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Als unsere Container nach etwa drei Stunden geladen waren, legte die Theodela sofort ab. Vor der Ausfahrt auf den Rhein muss noch ein kurzes Kanalstück, der Vinckekanal, durchfahren werden. Nachdem man dessen Breite mit der Schiffsbreite verglichen hat, ist klar, warum der Kapitän seine Durchfahrt vorher über Funk meldet - kreuzen wäre hier kaum möglich. Anschliessend erfolgt noch das Abmelden beim Hafenmeister, der auch einen Fax mit den Gefahrgut-Details erhält, und schon ist man auf dem Rhein. Mittlerweile war es abend geworden, und wir wurden durch die Frau Kapitän, die ebenfalls das Patent besitzt, bestens verpflegt. Da die Theodela 24 Stunden durchfährt, wechseln sich die Kapitäne nach jeweils acht Stunden ab. Wir allerdings mussten irgendwann schlafen, und das taten wir auch bald, weil wir am Morgen in Rotterdam sein sollten und da den Hafen bestaunen wollten.
Frühmorgens, oder eher mitten in der Nacht, entdeckten wir beim Blick aus dem Fenster, dass wir bereits bei der Hafeneinfahrt in Rotterdam waren. Also schnell angezogen und ab auf die Brücke. Die Einfahrt in den Beatrixhaven, mit all den beleuchteten Kränen und Schiffen, war eindrucksvoll. Hier wird immer gearbeitet, 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche. Da die Theodela einen fest gebuchten Hafenplatz hat, konnten wir gleich anlegen. Die Kräne in Rotterdam waren einiges schneller als in Duisburg, aber wir brauchten doch einige Stunden zum Löschen und Laden. Langweilig wurde es aber nicht, denn es hatte viele Schiffe, vor allem auch Seeschiffe, die an- und ablegten. Nachdem wir auf der anderen Seite des Hafenbeckens noch einige Leercontainer aufgenommen hatten, gings auch schon wieder los Richtung Duisburg. Auf dem Rückweg nach Duisburg fuhr der Kapitän wesentlich langsamer, da wir erst nach dem Wochenende löschen mussten. So übernachteten wir in einem Nebenbecken des Rhein, das für Berufsschiffe ausgerüstet ist. Fast wie ein Yachthafen, mit Stegen und Beleuchtung und vielen Schiffen, aber alles viel, viel grösser.
Nachdem wir dann in Duisburg gelöscht hatten, hatten wir zwei Tage Zeit. Wegen des Tags der deutschen Einheit fiel eine Reise aus, und wir nutzten diese Zeit um uns in Duisburg umzusehen. Man merkt, dass die Wirtschaft hier im Pott nachgelassen hat. Es gibt viele aufgegebene Werksgelände und wohl auch eine hohe Arbeitslosigkeit. Auf einer Hafenrundfahrt konnten wir das ganze Hafengebiet besichtigen, das wirklich sehr gross ist und wo für die Zukunft einige Um- und Neubauten geplant sind.
Die zweite Reise nach Rotterdam wollten wir ganz erleben und richteten uns auf der Brücke häuslich ein. Mittlerweile war Kapitänswechsel, und Pieter fuhr ohne Fernseher und Radio. So konnten wir das Radar und auch die Lichter der anderen Schiffe und der Fahrwassertonnen beobachten. Pieter erklärte uns viele interessante Orte und Zusammenhänge. Auf dieser Strecke waren auch nachts viele Schiffe unterwegs, und so erlebten wir das Kreuzen, auch bei Brücken und mit der blauen Tafel, was sehr eindrücklich war. Es sieht sehr einfach aus, wenn so ein grosses Schiff gesteuert wird, aber man muss doch viel Erfahrung besitzen. Die Kapitäne, die die Strecke oft fahren, kennen tatsächlich praktisch jeden Baum am Ufer.
Nach der Ankunft in Rotterdam morgens um vier Uhr warfen wir uns ins Bett. Erstaunlicherweise konnte nicht einmal der Kranbetrieb unsen Schlaf stören, obwohl es rumpelte und dröhnte. So schnell gewöhnt man sich an etwas... Die Rückreise nach Duisburg verlief ebenso problemlos, und am nächsten Tag war unsere Woche schon wieder zu Ende. Da mittlerweile der Rheinpegel gestiegen war, war der untere Kai in Duisburg überschwemmt. So mussten wir unser Gepäck vom Schiff direkt auf die Kaitreppe umladen, aber auch das ist reine Gewöhnungssache. Nach einem herzlichen Abschied, vor allem auch von Laetitia, der kleinen Tochter der Eignerfamilie, setzten wir uns ins Auto. Die Heimfahrt verlief ebenso problemlos wie die Hinfahrt.
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