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Freitag, 09.06.06
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Samstag, 10.06.06
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Sonntag, 11.06.06
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Montag, 12.06.06
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Dienstag, 13.06.06
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Mittwoch, 14.06.06
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Donnerstag, 15.06.06
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Freitag, 16.06.06
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Samstag, 17.06.06
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Sonntag, 18.06.06
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Montag, 19.06.06
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Alsace Lorraine
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Das Boot
Da wir den SBF See bereits auf einem Kormoran absolviert hatten, wussten wir dass diese Boote gut zu navigieren sind, und mit der grossen Breite von fast vier Metern war sicher auch genug Platz für uns zwei vorhanden. Unser "Fahrschulboot" auf der Müritz war jedoch zwei Meter länger, und diese zwei Meter machen bei der grossen Breite doch einen Unterschied. Jedenfalls krankt der Kormoran 940 an einem ähnlichen Problem wie die Pénichette 1020: er ist zu breit für die Länge. Zwar besteht er aus Stahl, was wir nach unseren Erfahrungen mit der Palma grundsätzlich bevorzugen, aber er hat sehr wenig Tiefgang und auch unter Wasser einen praktisch rechteckigen Rumpf. Das führt dazu, dass er - ziemlich stur - nicht geradeauslaufen will und man ständig am korrigieren ist. Beim Aufstoppen bricht das Heck je nach Laune nach backbord oder steuerbord aus, unabhängig von der Ruderlage. Dies passiert auch bei Geschwindigkeitsänderungen, wenn beispielsweise beim Einfahren in eine Schleuse der Gang herausgenommen wird. Das Boot ist an den kritischen Rundungen vorne und den eckigen Kanten am Heck nicht abgefendert und verdrängt zwölf Tonnen. Ohne die - glücklicherweise vorhandene - Bugschraube würden diese zwölf Tonnen also bei Schleuseneinfahrten fast unweigerlich andonnern; zwar langsam, aber trotzdem.
Sonstige Manöver macht der Kormoran 940 aber sehr brav. Das Wenden an Ort und die Mann-über-Bord-Manöver haben auf Anhieb geklappt, und sogar beim Rückwährtsfahren lässt sich das Boot nach einigen Versuchen steuern. Schalthebel und Ruder sind leichtgängig, alle nötigen und sinnvollen Instrumente vorhanden, lediglich auf der Flybridge fehlte uns der Drehzahlmesser. Zu schnell fahren kann man mit dem Kormoran allerdings nicht; mehr als 8 km/h sind auch mit Vollgas nicht möglich. Zumindest auf Fluss-Strecken müsste da noch etwas Reserve drin sein, ansonsten kommt man bei leichter Gegenströmung schon fast nicht mehr vorwärts.
Ein grosses Problem des Kormorans sind die Schleusen. Das hohe Gewicht in Verbindung mit der eckigen Rumpfform unter Wasser machen den Kormoran praktisch "unhaltbar". Mit zwei Leinen konnten wir bisher jedes Boot problemlos schleusen; beim Kormoran ist sogar das Abwärtsschleusen (!) ein ständiger Kampf. Das Boot treibt mit Bug oder Heck auf die andere Schleusenseite, und auch hier wirken sich die fehlenden Fender aus, denn genau an den Stellen, mit denen der Kormoran auf die gegenüberliegende Schleusenwand trifft, sind weder Fender noch Scheuerleisten vorhanden. Das Aufwärtsschleusen ist noch schlimmer, da der Kormoran nach vorn oder hinten zieht. So ist bei jeder Schleusung das Schiff selber gefährdet, da es Richtung Schleusentor läuft, und vor allem auch andere Schiffe in der Schleuse. Die stilechten "Pollerchen" mit Querstrebe sehen zwar hübsch aus, haben jedoch einen grossen Nachteil: das gefierte Leinenende quetscht sich unter das festgemachte Auge, und damit beklemmt sich die Leine selbst. Wegen dem ständigen Zug des Bootes bleibt keine Zeit, die Leine wieder zu richten - und schon hängt das Boot. Nachdem wir deshalb eine Leine durchschneiden mussten, haben wir halt die Reling zum Fieren benutzt, die zum Glück stark genug ist. Nach einigen Schleusen wird klar, warum der Kormoran wesentlich dickere Leinen hat als andere Boote dieser Grösse: er braucht sie. Und selbst die dicken Leinen "singen" vor Anstrengung, sodass man möglichst den Kopf weghält, falls mal eine reissen sollte.
Wohntechnisch macht der Kormoran auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Stauraum ist vorhanden, die Betten sind gross genug, WC, Dusche und Küche wie üblich, und der Salon wirklich gross. Die Betten sind aber ebenso unbequem wie die in Rechlin, die Polsterbezüge sehen auch gleich aus, und man ist am Morgen meistens noch müder als am Abend vorher. Leider gibt es in der Küche absolut keinen Platz für Lebensmittel, was umso unverständlicher ist, als eigentlich Fläche genug da wäre. Der Salon hat rundum Fenster und im Dach noch ein Sonnenfenster. In der kühleren Jahreszeit könnte das Boot ganz angenehm sein, vor allem auch wegen der Warmwasserheizung. Aber im Sommer ist es unerträglich. Lediglich ein Salonfenster nach hinten kann geöffnet werden; die Türen müssen aus Sicherheitsgründen während der Fahrt geschlossen sein, da sie offen nicht einrasten. So heizt die Sonne den Salon den ganzen lang auf; dass das Sonnendach weder geöffnet noch abgedeckt werden kann, macht es auch nicht besser. Da kein Fenster nach vorne geöffnet werden kann, gibt es auch keine Zugluft während der Fahrt, die etwas Kühlung verschaffen könnte. Das führt dazu, dass es im Salon tagsüber fast 40° heiss wird und auch nachts nur wenig abkühlt.
Zu unserem Erstauen ist der Kormoran das schlimmste Boot, das wir gefahren haben. Unsere Erwartungen waren gross, nachdem er ursprünglich in Holland gebaut und später von der Kuhnle-Werft verbessert wurde. Möglicherweise sind die Schleusen im Norden so sanft, dass das Schleusen einfacher ist, und die Hitze im Sommer könnte dort auch weniger gross sein - wir wissen es nicht. Was wir wissen, ist dass wir den Kormoran nicht mehr, nicht mal kostenlos, fahren werden. Schade.
Die Route
In diesem Sommer wollten wir die kleine Sauerkraut-Tour machen. Diese Rundtour führt vom Canal de la Marne au Rhin über die Mosel, die Saar und den Canal des Houilleres. Die Route wird von Kuhnle-Tours angeboten, wobei für die deutsche Strecke der Binnen-Führerschein verlangt wird. Bei der Vorbereitung haben wir festgestellt, dass die Moselschleusen jedes Jahr im Juni während zehn Tagen gesperrt sind. Die Termine sind Jahre im voraus bekannt und können im Elwis nachgesehen werden. Anscheinend wusste Kuhnle-Tours davon aber nichts, sonst hätte man uns ja bereits bei der Buchung im Herbst darauf aufmerksam machen können. Durch Umkehren der Route - also Saar hinunter und erst anschliessend Mosel hinauf - konnten wir diese Schleusensperrungen umgehen. Auf unsere Anfrage bei Kuhnle, ob der Kormoran gegen die Moselströmung ankommt, gab es keine Antwort, und auch wo wir nachtanken können, konnte man uns nicht sagen. Nach einigem Suchen fanden wir die nötigen Angaben dann im Internet.
Am zweiten Tag überbrachte uns der Basischef von Niderviller dann einen "Avis à la Batellerie" des VNF, den er am Vorabend erhalten hatte. Der Canal des Houilleres war wegen eines Schadens an einem Bauwerk zwei Wochen lang gesperrt. Somit fiel die Sauerkraut-Tour ins Wasser. Wir mussten also unsere Route umstellen und beschlossen, zuerst den Canal de la Marne au Rhin bis Nancy zu befahren. Anschliessend wollten wir das "Boucle de Nancy" machen, über das Embranchement de Nancy und die Mosel bis nach Toul, und danach noch auf der Mosel bis Metz und zurück.
Der Canal de la Marne au Rhin von Niderviller bis Nancy führt mehrheitlich durch ländliches Gebiet, mit Wiesen, Feldern und einigen kleinen Dörfern. Gegen Nancy nimmt die Industrie immer mehr zu, und der Kanal führt durch die Agglomeration von Nancy bis mitten in die Stadt. Die Scheitelstrecke zwischen dem Schrägaufzug von Arzviller und der Schleuse Réchicourt (15m Hub) ist touristisch nicht sehr ausgebaut; es gibt wenig Anleger, Restaurants und Läden. Ab Réchicourt haben viele Dörfer Anleger, teils komfortabel, und es gibt genügend Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Kurz vor Nancy gibt es einen grossen Intermarché direkt am Kanal - praktisch um Lebensmittel und vor allem Getränke zu bunkern. Der Stadthafen von Nancy ist gut ausgebaut mit Schwimmstegen, Wasser und Stromanschluss sowie einem gesicherten Zugang zu den Stegen, und die Capitainerie ist sehr hilfsbereit. Allerdings ist er meist nachmittags schon voll belegt, und dass es viele grosse Boote hat, macht das Anlegen nicht einfacher... Der Kanal selbst ist gut unterhalten, anlegen ist überall möglich. Die Schleusen werden mit einer einfachen Fernbedienung aktiviert, wobei die Auslösepunkte gut markiert und auch das Erkennungslicht gut sichtbar ist. Oberhalb und unterhalb der Schleusen gibt es jeweils Poller für die wartenden Boote - also fast schon luxuriös.
Das Embranchement de Nancy führt von Nancy nach Süden bis zum Ende des Canal de l'Est branche sud. Es wurde erst vor kurzem für die Freizeitschifffahrt geöffnet, die Schleusen sind dementsprechend neu renoviert und funktionieren alle mit der Fernbedienung. Allerdings liegen die Schleusen zwischen Nancy und der Scheitelstrecke teils so nahe beieinander, dass mit der Fernbedienung nicht nur die nächste, sondern auch die vorige Schleuse aktiviert wird, was dann zu einer Wartezeit für ein nachfolgendes Schiff führen kann. Auf der Scheitelstrecke gibt es eine mit Ampeln geregelte Engstelle, die nur einspurig befahren werden kann. Anleger oder Dörfer hat es auf dieser Strecke nicht.
Zwischen dem Embranchement und der Mosel liegen noch zwei Schleusen auf dem Canal de l'Est. Hier gibt man die Fernbedienung ab. Die Mosel ist eine Grossschifffahrtsstrasse; alle Schleusen sind bedient und überwacht, der Schleusenwärter sieht auf seiner Kamera die Boote und falls nicht grad Frachter schleusen wollen, wird sogar ein kleines Boot allein durchgeschleust. Bis Pompey, wo die Mosel auf den Canal de la Marne au Rhin trifft, ähnelt die Mosel der Saône - relativ breit, ruhig und mit schönen, waldbewachsenen Ufern. Anlegemöglichkeiten gibt es nicht viele, bis auf Städte und Städtchen die auf den Tourismus ausgerichtet sind. Zum Anlegen in Toul muss man auf dem Canal de la Marne au Rhin (branche ouest) noch einige Schleusen hinauf bis zum Stadthafen, der leider nicht so gut ausgebaut und überhaupt nicht verwaltet ist. Lediglich am morgen kommt Madame la Registreuse zum Einkassieren. Toul selbst lädt auch nicht zum verweilen ein, es fehlt einfach der Charme, der französische Städtchen sonst so angenehm macht.
Auf die Fahrt nach Metz und zurück haben wir nach unseren Erfahrungen mit dem Kormoran verzichtet und sind von Pompey direkt wieder in den Kanal in Richtung Niderviller gefahren.
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Die Reise
Die Anreise nach Niderviller ist von der Schweiz aus kurz, und wir sind zum Einkaufen noch über Epinal gefahren, wo es einen Carrefour gibt. An der Basis war um 16 Uhr Hochbetrieb; anscheinend hat es dort nur zwei Leute, den Basischef und einen Techniker. Wir mussten bis nach 18 Uhr warten, um unseren Kormoran namens "Molch" wenigstens mal beziehen und einräumen zu können. Eine Inventarliste gab es nicht, auch war das Boot nicht am Strom zum Batterieladen, und das Trinkwasser haben wir selber aufgefüllt, da der Tank halb leer war. Bereits beim Einräumen holten wir uns einige blaue Flecken; so gross das Boot auch ist, die Durchgänge sind eng und die Treppen tückisch. Beim Checken des Boots stellten wir einige Mängel fest: der Fensterhalter im Salon defekt, ein Vorhang in der Kabine fehlt, die Mittelklampe an Steuerbord ist fast ausgerissen, keine Bettwäsche vorhanden, die einzig verbliebenen Velos haben weder Gepäckträger noch Schutzbleche. Als wir wegen den Velos intervenieren - weil solche Velos sind zum Einkaufen und auf staubigen Treidelpfaden sinnlos bis ärgerlich - erklärt sich der Basischef bereit, uns am nächsten Morgen neue Velos zu liefern. Das ist allerdings ein Service! Die Einweisungsfahrt erfolgt dann erst nach 19 Uhr, und da wir den Kormoran schon kennen gibt es auch beim rückwärts Anlegen in Hesse keine Probleme. Am nächsten Vormittag erscheint er dann auch wie vereinbart im Hafen von Hesse und bringt und zwei nagelneue Velos, mit Gepäckträger und allem. Sogar die Bettwäsche und einen Sonnenschirm hat er noch besorgt. Von diesem Service sind wir begeistert, und darüber lassen sich auch die restlichen Mängel vergessen. Allerdings bringt er uns auch einen Avis des VNF mit der Meldung, dass der Canal des Houilleres gesperrt ist. So müssen wir jetzt erstmal unsere Route neu überdenken, denn die geplante Sauerkraut-Tour ist so leider nicht mehr möglich. Wir beschlossen, erstmal Nancy zu besuchen und danach das Boucle de Nancy zu fahren. Danach sollten die Moselschleusen wieder offen sein, sodass wir noch nach Metz fahren konnten. Wenn am Schluss noch Zeit übrig war, wollten wir noch bis Lutzelbourg und zurück fahren, mit dem Schrägaufzug von Arzviller.
Unterwegs nach Nancy machten wir Halt in Port Sainte Marie, Lagarde und Einville. In Lagarde befindet sich eine Basis von Rive de France, somit ein gut ausgestatteter Hafen. Bei der Kirche hat es ein gutes Restaurant, und die Epicerie direkt am Hafen liefert täglich feines Brot. Der Anleger von Einville bietet - entgegen der Angabe in der Karte - weder Strom noch Wasser und liegt direkt an der Hauptstrasse. Trotzdem ist es sehr gemütlich, und das "Relais Fleuri" bietet feines Essen (glace mandarine et chocolat) und den unvermeidlichen Grossbildschirm. In Einville mussten wir dann noch auf die Techniker warten. Mittlerweile hatten wir festgestellt, dass irgendwas am Ablauf des Badezimmers und der Küche nicht stimmt. Nach dem Abwaschen stand plötzlich Wasser im Duschboden, und es stank. Nach einigen Selbstversuchen - wir hatten den Abflussschlauch abgehängt und nun gings über die Bilgenpumpe raus - riefen wir die Basis an und erklärten das Problem. Nachdem dann die beiden Herren der Basis das Problem notdürftig behoben hatten, mussten wir halt jedesmal nach Wassergebrauch die Pumpe über den einen Schalter im Schaltkasten einschalten. Es stank aber trotzdem immer wieder, was bei diesen Temperaturen nicht sehr angenehm war.
Unterwegs nach Nancy mussten wir noch an einer Schleuse warten, in deren Tor sich etwas verklemmt hatte. Zusammen mit dem Segler "Spica" liefen wir dann nach Nancy. Der Hafen war bereits sehr voll, und bei den vielen grossen Booten war schlecht zu sehen, ob mittendrin noch ein Platz frei wäre. Nach kurzem unschlüssigem "herumdümpeln" kam dann aber der Hafenmeister und hat uns eingewiesen. Seeehr langsam, mit Hilfe der Bugschraube und unter den skeptischen Blicken der anwesenden Böötler konnten wir ohne Kollision rückwärts anlegen.
Die Stadt selbst ist halt eine Stadt, aber mit einer hübschen Innenstadt, vielen Läden und guten Restaurants und sogar einer Fussgängerzone. Wir blieben zwei Tage in Nancy, auch um uns von der Sonne zu erholen. Wir hatten bisher blendendes Wetter, schön und heiss, aber der Kormoran hatte sich innen auf fast 40° aufgeheizt. Leider liess sich vorne kein Fenster öffnen, und das Sonnendach hatte weder einen Vorhang noch konnte es geöffnet werden. So staute sich die heisse Luft im Salon. Von innen fahren ging deshalb überhaupt nicht, sodass wir ständig auf der Flybridge waren. Hier blies zwar mindestens der Fahrtwind, aber die Sonne brannte auch unbarmherzig, und wir holten uns natürlich einen Sonnenbrand. Der Sonnenschirm war zu hoch, um unter den Brücken durchzupassen, und liess auch den grössten Teil der Sonne durch. Wir erholten uns deshalb etwas in schattigen Gartenrestaurants und unter den Bäumen im Hafen.
Danach ging es weiter zum Embranchement. Vorher kauften wir noch im Intermarché direkt am Kanal ein; auch zwei Fussmatten, um damit zumindest das Sonnendach abzudecken. Auf dem Embranchement gibt es leider keine Anlegestellen, aber wir waren nach dem Aufstieg auf die Scheitelstrecke ziemlich müde. So machten wir mit den Heringen fest. Der eine Hering war schon ziemlich verbogen, und wir fragten und wie man sowas bewerkstelligt. Nachdem dann ein Boot an uns vorbeigefahren war, wussten wir mehr: der Kormoran mit seinem Gewicht und seinem Zugverhalten schon bei geringsten Wirbeln riss sich blitzartig los! Zum Glück blieben die Heringe an den Leinen, so konnten wir alles einholen, den Motor starten und nochmals anlegen. Es blieb aber ein unruhiger Abend - immer in der Erwartung, dass vielleicht noch ein Boot kommt und wir nochmals anlegen müssten. Da auf dieser Strecke auch Pénichen fahren können und die Schleusen ab 7 Uhr morgens arbeiten, waren wir dann auch schon um 7 Uhr auf den Beinen.
Der nächste Tag führte uns auf die Mosel, wo gleich am Anfang ein grosses Stahlwerk steht und die zugehörigen Frachter. Das sind keine Pénichen mehr, das sind richtig Grosse! In der ersten Moselschleuse warteten bereits einige kleine Boote. Wir schlossen uns also an und hängten die Leinen in die in der Wand eingelassenen Poller. Als es dann aber abwärts ging, mussten wir den Kormoran richtig fest halten. Er drohte ständig seitlich wegzulaufen und hätte, wäre es ihm gelungen, das gegenüber liegende Kleinboot mit seiner Masse wohl heftigst gerammt. In den Freycinet-Schleusen passiert sowas natürlich nicht, denn gegenüber liegt kein Schiff. Nach der Ausfahrt fuhren uns bald alle anderen Boote davon, auch die Mietboote, die ja auch gedrosselt sind. Mit dem GPS stellten wir dann fest, dass der Kormoran nicht über 8 km/h fährt, mithilfe der Moselströmung höchstens 9. Es hatte also wohl schon sein Gutes, dass wir die Sauerkraut-Tour nicht machen konnten, denn Moselaufwärts wären wir so langsam gewesen, dass uns die Zeit womöglich nicht gereicht hätte. In den nächsten Schleusen waren wir mehrheitlich allein, was uns ganz recht war. Ich hatte vor allem Angst, falls wir hinter einem Frachter schleusen müssten. Der Kormoran wäre uns beim geringsten Schraubenwasser dieses Grossen ausgerissen, und der Motor würde dann auch nicht viel mehr helfen. Mittlerweile war uns absolut klar, warum der Kormoran so dicke Leinen braucht und auch, warum die Mittelklampe schon fast ausgerissen ist.
Vor Toul gab es dann das nächste Erschrecken: in einer kleineren Schleuse verklemmte sich erstmals die Leine. Einige Male gab sie noch nach, aber nie so, dass man sie von der Klampe weggebracht hätte. Durch beherztes Eingreifen des Käptens mit einem grossen Messer kamen wir zum Glück noch rechtzeitig frei. Minus eine Leine - aber sonst nichts kaputt. Von da ab führen wir die Leinen nicht mehr über die Klampen, sondern halt nur unter der Reling durch, die zum Glück stabil genug war. Um in den Hafen von Toul zu langen, mussten wir noch drei Schleusen aufwärts. Die Leute auf dem Connoisseur-Boot hinter uns fragten sich wohl schon, was wir das Komisches veranstalten. Aber nun waren wir vorne in der Schleuse, und der Kormoran lief tatsächlich über vier Meter nach vorn bis fast ins Tor hinein, obwohl ich hinten fast an der Schleusenwand hing. Irgendwie kamen wir dann doch noch in den Hafen und sogar das Rückwärtsanlegen gelang. Leider war Toul eine Enttäuschung; ein langer Weg ins Zentrum, einige Strassen, die man bei Dunkelheit besser meidet, und die Innenstadt nicht sehr freundlich. Wir blieben deshalb nicht noch einen Tag wie geplant, sondern fuhren am nächsten Tag weiter.
Auf der Weiterfahrt Richtung Pompey entschlossen wir uns, nicht nach Metz zu fahren. Ich wollte nicht riskieren, mit einem Frachter zu schleusen; ausserdem müssten wir dann die Mosel wieder hinauf, was mit dieser Motorisierung ein mühseliges Unterfangen wäre. Das Schleusen machte auch keinen Spass, sondern war nur anstrengend, und dann war es immer noch viel zu heiss in diesem Boot. Und unangenehm soll es in den Ferien ja nicht sein. Wir hatten also zwei Möglichkeiten: den Kormoran abgeben und nach Hause fahren, oder den Kormoran abgeben und die restlichen Ferien auf einem anderen Boot verbringen. Am nächsten Montag wollten wir nach verfügbaren Booten suchen, und in der Zwischenzeit gewöhnten wir uns an, so zu schleusen wie man es eigentlich nicht macht: einer an der Leine, der den Kormoran möglichst an der Schleusenwand hält, und der andere im Steuerstand, um den Vorwärts- und Rückwärtslauf zu stoppen. So kamen wir wesentlich entspannter nach Pompey, wo zwar der gemäss Karte vorhandene Strom und das Wasser nicht waren, wir aber eine gute Pizzeria fanden.
Bei der Einfahrt in den Canal de la Marne au Rhin gab es dann wieder eine unangenehme Überraschung: mitten während der Schleuseneinfahrt fiel der Motor aus. Was für eine Hektik! Leinen hängen lassen, Motor starten, Boot stoppen war eins. Nun standen wir natürlich falsch, und beim nächsten Versuch, die Leine zum Poller zu bringen, stoppte der Motor schon wieder. Dafür wussten wir jetzt, woran es lag: anscheinend hatte die Bugschraube ein Problem, und da diese an der Motorhydraulik hängt, würgte sie den Motor ab. Irgendwie schafften wir auch diese Schleuse, nur konnten wir jetzt die Bugschraube nicht mehr benutzen. Zum Glück kam nun ein längeres Stück ohne Schleusen. Bei der nächsten Gelegenheit legten wir an und probierten die Bugschraube nochmals. Das Ergebnis war klar: jeder Druck auf einen Bugschrauben-Knopf stoppt den Motor. Da wir keine Ahnung von der Hydraulik des Kormoran hatten, sollten wir nun die Basis anrufen und dann wohl auf den Techniker warten. Das wollten wir aber nicht, da wir eigentlich nur das Boot so schnell wie möglich wieder loswerden wollten. Der nächste Hafen wäre Nancy gewesen, und dort anlegen ohne Bugschraube wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Also beschlossen wir, ohne Bugschraube weiterzufahren. An diesem Tag fuhren wir möglichst lange und kamen noch bis Einville.
Am nächsten Morgen suchten wir zuerst nach anderen Booten. Am liebsten wäre uns eine Abfahrt ab Hesse, weil wir so direkt von Schiff zu Schiff umladen könnten. Leider gab es diese Möglichkeit nicht, aber wir fanden bei der Crown Blue Line trotzdem noch ein Boot, einen Corsair ab Boofzheim nach Hesse. Wir sagten zu und konnten direkt am übernächsten Tag übernehmen. Nun galt es nur noch, den Kormoran abzugeben. Mit einigen Remplern bei den Schleusenein- und Ausfahrten wegen der fehlenden Bugschraube und mit Motoren in den Schleusen kamen wir noch am gleichen Abend bis Niderviller.
Am nächsten Morgen packten wir zusammen und luden unser Gepäck ins Auto. Mechaniker und Basischef waren doch einigermassen erstaunt, dass wir schon abgeben. Zufälligerweise war auch der Hafenmeister der Kuhnle-Basis in Rechlin anwesend, der die Gründe für die vorzeitige Rückgabe wissen wollte. Auf die Probleme mit den Schleusen meinte er nur, dass andere Kunden nicht solches berichteten. Das Sonnendach sei früher zu öffnen gewesen, aber die Arbeiten an den Dichtungen seien zu teuer, so dass es jetzt fest geschlossen ist. Ein Kommentar hierzu erübrigt sich wohl... wir waren jedenfalls froh, den Kormoran loszusein, und machten uns auf den Weg nach Boofzheim.
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