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Montag, 19.09.05
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Dienstag, 20.09.05
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Donnerstag, 22.09.05
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Samstag, 24.09.05
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Sonntag, 25.09.05
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Mittwoch, 28.09.05
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Donnerstag, 29.09.05
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Freitag, 30.09.05
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Samstag, 01.10.05
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Sonntag, 02.10.05
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Mittwoch, 05.10.05
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Samstag, 08.10.05
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Sonntag, 09.10.05
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Im Boot durch den Jura
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Das Boot
Nach unserem eher enttäuschenden Fahrerlebnis mit der Penichette 1020 FB wollten wir diesmal möglichst ein holländisches Stahlschiff. Mit einem solchen hatten wir während der zweistündigen Übungsfahrt mit unserem Fahrlehrer beste Erfahrungen gemacht, trotz der Starrwelle folgt es den Befehlen selbst bei Manövern mit Rückwärtslauf. Die meisten Mietboote in Frankreich sind leider aus GFK gefertigt; glücklicherweise sind wir auf die Palma 40 bei Sâone Bateau gestossen.
Und das Fahren wurde dann auch wirklich ein reines Vergnügen: dieses Boot fährt sich genauso, wie wir es von einem Schiff erwarteten. Schon beim Einsteigen merkt man, dass der Rumpf nicht wie eine Badewanne auf dem Wasser liegt - das Schiff macht die Bewegungen seiner Passagiere quasi mit ;-) Es liegt super am Ruder und läuft - ohne Seitenwind und wenn die richtige Ruderstellung erstmal gefunden ist - kilometerweit schnurgeradeaus. Die Schleusenmanöver sind mit der Palma ein reines Vergnügen, sie folgt dem Ruder auch noch bei der geringsten Fahrt und lässt sich praktisch zentimetergenau positionieren. Die "Badeleitermanöver" sind denn auch ausnahmslos tipptopp gelungen. Beim Ablegen - in der Schleuse oder von seitwärts angelegt - haben wir den Trick des Vermieters angewendet: Mit dem Bugstrahler den Bug wegbringen, danach mit Ruder leicht zum Ufer kurz Gas gegeben, und schon steht das Schiff mit ein bis zwei Meter Abstand parallel zum Ufer und man kann schön sanft abfahren.
Der Ruderstandsanzeiger ist eine sehr praktische Hilfe vor Manövern und bei Schleusenausfahrten mit Querströmung. Es gibt dann kein wildes Hin- und Hergerudere, bis der Geradeauslauf wieder gefunden ist... Auch das Bugstrahlruder erwies sich als sehr praktisch. Mit zwölf Metern ist die Palma zwar nicht übermässig lang, aber je nach Hafen hat man trotzdem nicht viel Platz zum Manövrieren. Ausserdem raucht der Motor doch ziemlich, und so ist es für alle Beteiligten angenehmer, wenn man kurz das Bugstrahlruder betätigt anstatt den ganzen Hafen mit einem Motor-Drehmanöver einzuräuchern ;-)
Überhaupt ist die Palma technisch gut ausgerüstet. Mit dem Tankanzeiger behält man die Übersicht und sieht, bis wohin man ungefähr noch kommt oder besser, wo man nachtanken sollte um nicht den Tank leerzufahren, und somit den Stress mit Entlüften oder aufgewirbeltem Dreck im Tank zu vermeiden. Das Echolot ist gerade auf dem Doubs mit seiner begrenzten Fahrrinne sehr nützlich. Ich weiss nie genau, wieviel jetzt 15 oder 25 Meter Abstand vom Ufer sind, und das Echolot zeigt mir dann zumindest, ob ich etwas mehr nach backbord oder nach steuerbord halten sollte.
Wie eigentlich zu erwarten war, schneidet die Palma - nur was das Wohnen betrifft - im Vergleich mit den neueren GFK-Mietbooten etwas schlechter ab. Platz hat man sehr viel; das Boot ist eher als Eignerversion eingeteilt, beide Kabinen bieten viel Stauraum und die Betten sind auch gross genug. Das "Badezimmer" ist eigentlich top, sogar eine richtige Dusche mit Duschvorhang ist vorhanden. Lediglich der Boden, der aus einem groben Holzgitter besteht, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die Küche besitzt leider keinen Backofen, ist ansonsten aber wie üblich ausgestattet. Der grösste Nachteil aus meiner Sicht war die Heizung. Bei nasskaltem Wetter reicht sie einfach nicht aus, um die Kabinen und vor allem die feuchten Kleider zu trocknen. Die warme Luft wird zwar auch in die Kabinen geführt, aber effektiv aufheizen tuts nur im Salon. Dort ist es dann schnell zu warm, während in den Kabinen die feuchte Kälte herrscht. Das gibt am Morgen kein frohes Erwachen...
Ich würde die Palma 40 jederzeit wieder nehmen, aber eher in der wärmeren Jahreszeit oder dann im Süden, so sie denn dort verfügbar wäre ;-)
Die Route
Nachdem im Frühling unsere Fahrt nach Besançon buchstäblich ins (Saône-Hoch-)Wasser gefallen war, wollten wir dies jetzt nachholen. Unsere geplante Route führte von Gigny sur Saône über die Saône nach St. Jean de Losne, dann auf dem Canal du Rhône au Rhin bis nach Montbéliard und anschliessend wieder zurück.
Im Nachhinein müssen wir dankbar sein, dass die Saône damals Hochwasser führte und wir nicht mit der Pénichette den Doubs befahren konnten. Es hätte glaub nicht wirklich Spass gemacht.
Die Saône von Gigny bis St. Jean ist ein sehr angenehmer, ruhiger Fluss, breit genug auch für grosse Schiffe und meistens mit schönem Wetter. Entgegen den Angaben in den meisten Katalogen sollte man aber auf einem Fluss nicht "wild" anlegen. Es gibt an der Saône genügend Häfen, meist mit schönen Schwimmstegen und guter Infrastruktur. In Chalon befindet sich der grosse Carrefour-Supermarkt direkt neben dem Hafen, sehr praktisch zum "Bunkern" von Esswaren und Getränken.
Die Schleusen auf diesem Teil der Saône haben ziemlich beeindruckende Ausmasse (185 x 12 Meter) für die ebenso grossen Schiffe, die von hier bis ans Mittelmeer verkehren. Deswegen bestehen die Schleusenwärterhäuschen hier aus einem veritablen Kontrollturm wie auf einem Flughafen. Das Tragen von Schwimmwesten ist in diesen Schleusen obligatorisch, was auch auf grossen Schildern bei jedem Schleusentor steht. Und falls es eine Bootsbesatzung trotzdem übersieht, hält der Schleusenwärter eine Schwimmweste aus seinem Fenster in luftiger Höhe und ruft "s'il vous plaît" - damit ist dann alles klar und die Schleuse bewegt sich erst, wenn jeder ausserhalb der Bordkabine seine Weste anhat ;-)
Die Einfahrt in den Canal du Rhône au Rhin besteht aus einer Schleuse, an der man nicht anlegen kann. Sollte der Schleusenwärter ein Boot nicht sehen, hilft ein Hupsignal. Dieser Kanal ist nur teilweise künstlich angelegt; abwechselnd verläuft das Fahrwasser auf dem Fluss Doubs. Beide Gewässerarten, Kanal und Fluss, haben so ihre Eigenheiten, was vielleicht auch der Grund ist, dass hier nicht soviele "Plaisanciers" unterwegs sind.
Üblicherweise sind Kanäle so angelegt, dass ihre gesamte Breite die Fahrrinne darstellt, und die Ufer sind mehr oder weniger senkrecht und befestigt, sodass man eigentlich jederzeit seitlich anlegen kann. Auf dem Canal du Rhône au Rhin ist dem aber nicht so: die Ufer bestehen mehrheitlich aus schrägen Steinböschungen oder einfach ausgespülten Lehmabbrüchen. Direkt am Ufer verläuft der Boden dann sehr flach und ist meistens noch mit gröberen Steinen bedeckt. Jedes Schiff, dass hier am Ufer festmachen will, zerkratzt sich unweigerlich den Rumpf oder sitzt sogar auf diesen Steinen auf. Anlegen ist also, wie auf einem Fluss, nur an befestigten Anlegern möglich. Und da es nicht viele solcher Anleger gibt, ist eine gewisse Planung nötig. Neben den in der Karte vermerkten Anlegemöglichkeiten gibt es auch nicht vermerkte resp. neue Anleger: bei den PKs 10.5, 39.2, 52, 87, 92.5 und 96. Der Schwimmsteg in Dole ist übrigens schwierig anzufahren; aufgrund der Strömung treibt das Boot unweigerlich auf den Catway, ausser man fährt die Kurve mit genug Gas - und wer weiss ob dann das Bremsen noch reicht?
Dass auch im Kanal die Fahrrinne sehr schmal ist, hat sich zweimal gezeigt. Wir mussten entgegenkommenden Péniche's ausweichen, und da diese nicht einen Zentimeter von der Kanalmitte abwichen, sind wir halt noch etwas näher ans Ufer. Beide Male hat unser Boot deutlich an Steinen gekratzt und ist kurz sogar aufgesessen. Dabei hat das Boot so geschwankt, dass sich der eine Kapitän erkundigt hat, ob wir wohl Hilfe bräuchten. Zum Glück gab es keine Schäden - und zum Glück hatte unser Boot nur einen Meter Tiefgang.
Die Flussstrecken sind landschaftlich sehr schön, mit den typischen baumbewachsenen Kalksteinhängen des Doubs-Tals. Allerdings besteht auch der Flussboden aus solchem Kalkgestein. Die Tiefe der Fahrrinne schwankt ziemlich stark, und wer sich ausserhalb dieser Fahrrinne bewegt, riskiert auf Felsen aufzulaufen. Wo der Boden nicht aus Fels besteht, liegen immer grosse Steine auf dem ansonsten ebenen Grund. Die Entfernung der Fahrrinne vom Ufer ist überall mit Schildern signalisiert, und daran sollte man sich halten. Dieses Navigieren kann teils recht anstrengend sein, da man sich andauernd auf die Karte und den Fluss konzentrieren muss.
Fast alle Schleusen des Canal du Rhône au Rhin zwischen der Saône und Montbéliard sind automatisiert. Bei der ersten Schleuse erhält man eine Fernbedienung, mit dieser kann man sich schon von weitem bei den Schleusen anmelden und kommt so relativ zügig durch. Das ist auch gut so, denn es gibt keine Wartepontons. Das Warten vor einer Schleuse, mitten auf dem Fluss mit seiner begrenzten Fahrrinne, ist zwar normalerweise kein Problem, aber es bedingt halt ständige Aufmerksamkeit. Was passiert, falls eine solche Schleuse mal streikt, mussten wir glücklicherweise nicht herausfinden. Die automatischen Schleusen benötigen keine Mittagspause, lediglich die zwei bedienten Doppelschleusen sowie die drei Hebebrücken sind über Mittag ausser Betrieb.
Auch dieser Wasserweg ist es wert, einmal befahren zu werden. Landschaftlich ist der Übergang vom sanften Saône-Tal mit seinem milden Klima in die steinigen, bewaldeten Höhenzüge des Jura sehr interessant, und fahrtechnisch muss mans einfach einmal gemacht haben. Das Boot sollte allerdings nicht zuviel Tiefgang haben, und für Boots-Neulinge ist dieser Kanal nicht unbedingt zu empfehlen.
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Die Reise
Das erste Stück auf der Saône bis St. Jean war so schön wie erwartet; bestes Wetter, ein breiter, ruhiger Fluss, gut ausgerüstete Häfen und ein paar wenige grosse Schiffe. In Chalon haben wir im Carrefour erstmal gross eingekauft und sind am nächsten Tag nach St. Jean de Losne weitergetuckert. Es waren, wie wohl meistens, nicht mehr viele Plätze frei, aber dank dem Bugstrahler war das Anlegen kein Problem.
Am nächsten Tag gings in den Kanal hinein. Bei der ersten Schleuse erhielten wir die Télécommande und tuckerten gemütlich auf dem Kanal in Richtung Dole. Vor der Schleuse 71 kam uns ein Freycinet-Passagierschiff entgegen. Beim Ausweichen nach rechts liefen wir ca. 1,5 Meter vom Ufer entfernt auf Steine auf, das kratzende Geräusch war doch sehr beunruhigend, und das Boot blieb immer wieder an Steinen hängen. Der entgegenkommende Kapitän hat wohl unsere Schaukelei gesehen und sich netterweise erkundigt, ob wir Hilfe brauchen. Zum Gück war alles in Ordnung, kein Leck und Schraube und Ruder auch unbeschädigt. Aber unangenehm wars trotzdem, ein netter Willkommensgruss von diesem Kanal!
In Dole trafen wir auf einen schönen Schwimmsteg mit freien Plätzen, und da sich dieser in einem Kanalstück befindet, sollte es eigentlich auch keine Strömung haben. Dachten wir - aber erst nach zwei Anläufen war das Schiff zwischen zwei Catways, und selbst dann wollte es noch abtreiben. Wir haben dann an den verbogenen Catways und den fehlenden Kunststoff-Fendern gesehen, dass die Strömung wohl ein allgemeines Problem in diesem Hafen darstellt.
Die weitere Reise verlief abwechslungsweise auf Kanal- und Flussstrecken. Die Flussabschnitte waren zwar schöner, aber auch anstrengend, weil der Abstand zum Ufer immer genau eingehalten werden musste. Abends wollten wir in St. Vit anlegen, aber der Ponton Municipal war bereits übervoll, also fuhren wir einfach mal weiter in der Hoffnung, irgendwo noch eine Möglichkeit zum Anlegen zu finden. Und siehe da, bei PK 52, ohne jeden Vermerk auf der Karte, ein schöner Anleger mitten im Grünen.
Die nächste Etappe führte uns bis nach Besançon. Die Stadtrundfahrt auf dem Doubs ist wirklich beeindruckend, und der Hafen St. Paul auch gut gelegen, aber es ist nicht ganz einfach dort einen Platz zu finden. Die Einfahrt neben dem Ausflugsboot ist relativ eng, man sieht einen freien Platz erst wenn man direkt davor steht, und dann ist das Wenden schon eng. Und falls es keinen freinen Platz mehr hat - was uns zum Glück nicht passiert ist - kann man nicht mehr wenden und muss zwingend durch die Selbstbedienungsschleuse. Der Hafen war übrigens geschlossen, jedenfalls theoretisch. Der Stromanschluss funktionierte, und die Capitainerie war geschlossen, trotz angeschriebenen Öffnungszeiten. Nur durch Zufall erfuhren wir in der Touristeninfo, dass der Hafen geschlossen ist und der Strom nicht funktioniert. Nachdem die entgeisterte Dame begriffen hatten, dass es sehr wohl funktioniert, durften wir auch die Liegegebühr bezahlten ;-)
In Besançon wollten wir in der Creperie essen, allerdings war dort nur "non fumeurs". Also bevorzugten wir Pizza. Allgemein hatten wir den Eindruck, dass diese Stadt soviele Zitadellen-Touristen hat, dass sie auf die Bootfahrer nicht soviel Wert legt. Dieser Eindruck kam auch daher, dass wir am nächsten Morgen nach dem Ablegen Bescheid erhielten, wir könnten jetzt nicht abfahren, weil in zehn Minuten das Ausflugsschiff durch die Schleuse geht. Das hat natürlich Vorrang - es dauerte dann aber noch 45 Minuten, und da hätten wir eigentlich schon längst durchgeschleust.
Am nächsten Abend legten wir in Baume-les-Dames an, wo gerade ein neuer kleiner Hafen mit zugehörigem Wohnwagen-Camping am Entstehen ist. Danach gings es weiter nach Clerval, an einen schönen Schwimmsteg mitten auf dem Doubs, gegenüber einer steilen Felswand. In der dortigen Pizzeria lernten wir den Suze kennen, einen feinen Enzian-Aperitif. Der Steg in Clerval ist kostenpflichtig, schön angeschrieben mit einer Telefonnummer. Wir haben uns da brav gemeldet, und da kam dann Monsieur le Maire höchstpersönlich, in Filzpantoffeln aber mit offiziellem Stempel ;-)
Nach der Abfahrt in Clerval streikte die Schleuse. Wir konnten zwar einfahren, aber danach ging nix mehr, also haben den VNF über das Schleusentelefon benachrichtigt. Der Monsieur kam prompt und nahm ein seltsames, staubwedelartiges Gerät aus seinem Auto, sodass wir erst dachten, das sei der Kaminfeger... aber er kannte wohl seine Schleuse. Mit dem Staubwedel hat er den Einfahrtsdetektor gesäubert und danach konnte die Schleusung normal ausgelöst werden. Wieder was gelernt, das nächste Mal probieren wir das selber.
In Isle-sur-le-Doubs gibt es einen grossen Supermarkt von SuperU, direkt am Kanalufer, mit befestigtem Anleger und Pollern. Das nutzten wir für einen grossen Einkauf. Den letzten Halt vor Montbéliard machten wir in Colombier-Châtelot. Dort hat es einen ganz neuen Steg, allerdings auf der falschen Seite des Kanals, und weit und breit keine Brücke. Einkaufen im Dorf geht deshalb nicht. Abends fing plötzlich das Boot an zu schaukeln, was zu dieser Zeit - nach Betriebsschluss der Schleusen - eigentlich unmöglich ist. Woher soll bei geschlossenen Schleusen auf einem Kanal denn eine Wasserbewegung kommen? Nachdem sich das Wasser beruhigt hat, haben wir schon nicht mehr daran gedacht - und nach einer Viertelstunde kam dann tatsächlich noch ein Passagierschiff angefahren! Die "Provence" legte dann auch noch am Steg an und ich konnte mich über seine Basler Fahne freuen :-)
Bei der zweitletzten Schleuse vor Montbéliard mussten wir die Fernbedienung abgeben; der Éclusier war anscheinend kein Franzose, denn ausser dem Wort "Télécommande" sagte und verstand er nichts. Im Hafen von Montbéliard fanden wir noch einen Platz am Schwimmsteg und ich konnte die Dusche ausprobieren. Naja, nicht wirklich besser als auf dem Schiff. Am nächsten Vormittag kamen unsere Gäste aus Basel an, und wir machten eine Spazierfahrt bis zur Schleuse 10 und zurück - Petrus hat sich wieder einmal als Basler erwiesen, bisher hat das Wetter gehalten. Der Schleusenwärter war anscheinend völlig überfordert - morgens teilte er mir mit, dass er heute wahnsinnig viele Schiffe abzufertigen habe und wir halt sehen müssten, wann wir durchkommen. Es waren dann so ca. drei Schiffe am Vormittag und nochmals drei - inklusive uns - am Nachmittag. Da stellt sich die Frage, wie macht er das in der Hauptsaison? Abends gab es noch ein feines Essen in einem Restaurant, das wir allerdings erst nach langer Lauferei fanden.
Mit Montbéliard hatten wir den Wendepunkt unserer Route erreicht, und nachdem unsere Gäste sich verabschiedet hatten, machten auch wir uns wieder auf den Weg. Zum Glück erhielten wir bei der zweiten Schleuse wieder die Télécommande - das Warten vor der Schleuse ist auf diesem Kanal, ohne Festmachmöglichkeit, doch mühsam. Dann fing es auch noch an zu regnen, und nachdem wir schon ziemlich nass waren, gingen wir dann doch in den inneren Steuerstand. Es schüttete dann aber so, dass wir nach dem Anlegen in Isle-sur-le-Doubs patschnass waren. Dieses Wetter sollte uns leider auch noch die nächsten Tage begleiten. Am nächsten Tag holten wir bei PK 124 ein Schiff ein, dass bereits in Montbéliard an uns vorbeigefahren war und einen äusserst seltsamen Eindruck machte. Offensichtlich als Restaurant-Schiff in Freycinet-Grösse gebaut, aber innen ausgehöhlt und dafür mit vielen Chemie-Behälten beladen, die alle als Gefahrengut gekennzeichnet waren. Der Antrieb bestand aus zwei Baumaschinen, an die wohl irgendwie Schrauben montiert waren. Seine Besatzung bestand aus fünf Mann, es hatte keinerlei Kennzeichen oder Namen, und es fuhr mit höchstens zwei Kilometern pro Stunde. Da wir dieses Schiff auf einem Kanalstück einholten, tuckerten wir hinterher - sogar im Standgas waren wir noch zu schnell. Die Besatzung war aber sehr freundlich - sobald einmal genug Platz war, fuhr es etwas zur Seite und liess uns überholen.
Bei der letzten Schleuse vor Baume-les-Dames warnte uns ein Herr vor dem Verlassen der Fahrrinne - wir sollten es nicht so machen wie der andere. Keine Ahnung, welchen anderen der meinte - aber in der Kurve vor Baume sahen wir es. Die "Saul Trader", ein Wohnschiff von ca. 24 Meter, hatte wohl die Kurve abkürzen wollen und war einige Meter vor dem Wehr aufgelaufen. Und das trotz klarem Vermerk in allen Karten und noch extra mit Pfeilen beschilderten Fahrrinnen-Baken. Wir legten dann in Baume zum Übernachten an und gingen zu Fuss nochmals zurück, um zu sehen ob der "Saul Trader" wieder freikommt. Er kam uns dann auch schon entgegen und wollte auch noch in Baume anlegen. Da ihm der Platz knapp schien, hat jemand von seiner Besatzung unsere hintere Leine einfach gelöst (!) und war gerade dabei, die Vorderleine neu festzumachen - und zwar dermassen, dass unsere Vorderklampe an der Reling des nächsten Bootes eingehängt war! Leider kann ich nicht auf englisch fluchen, sonst hätte ich dem gehörig die Meinung gesagt. Die "Saul Trader" hat dann beim Anlegen auch noch unser Heck "geboxt", zum Glück ohne sichtbare Folgen. Wir haben dann sofort Fotos gemacht und den Zwischenfall notiert. Die Gendarmerie kam dann auch noch, aber nicht wegen uns sondern anscheinend wegen der Bergungsaktion der "Saul Trader". Wir beschlossen, am nächsten Morgen so früh wie möglich abzulegen, um die "Saul Trader" abzuhängen.
Aber schon um halb neun mussten wir feststellen, dass daraus nichts wird. Wir hörten ein seltsames Motorengeräusch und nach ein paar Minuten tauchte das "Bateau Chimie" auf, das wir bei PK 124 überholt hatten. Es war schneller an uns vorbei, als wir ablegen konnten - also warteten wir noch eine Stunde und legten erst dann ab. Aber schon nach ein paar hundert Metern sahen wir das Heck des "Saul Trader", der direkt hinter dem "Bateau Chimie" abgelegt hatte. Was war wohl jetzt los? Wir fuhren noch ein bisschen näher und entdeckten, dass das Chemieschiff in einer Kurve aufgelaufen war. Also wieder warten - nach einer halben Stunde kam das Schiff frei, und nachdem auch "Saul Trader" noch etwas aufgelaufen war, gings im Schneckentempo weiter. Irgendwo auf einem Doubs-Stück konnten wir dann überholen; der "Saul Trader" war schon bei einer früheren Schleuse vorbeigekommen und diesen holten wir vor der Schleuse 44 wieder ein.
Nachdem er durch die Schleuse war, näherten wir uns und avisierten die Schleuse über die Télécommande. Vor dieser Schleuse hat es links einen langen Quai mit Pollern, dort wollten wir festmachen zum Warten. Allerdings hatte ich nicht bemerkt, dass ein Überlauf auf der rechten Seite ziemlich viel Strömung erzeugte. So kam es wie es kommen musste - das Anlegen gelang nicht, das Heck wurde von der Strömung mitgezogen. Da ich die Strömung aber immer noch nicht realisiert hatte, versuchte ich ein Anlegen weiter vorne. Dort war die Strömung noch stärker und der (gedrosselte) Motor kam nicht mehr dagegen an, sodass wir am Schluss mit dem Heck zwischen zwei Holzpfählen festsassen. Zum Glück war neben dem vorderen Teil des Bootes eine Mauer, so konnte es uns nicht weiter hineinziehen. Da sassen wir also, zwei Meter vom schrägen Gitter des Überlaufs entfernt, ohne dass wir irgendwie ans Ufer gelangen konnten. Wir riefen dann bei der "Subdivision de Besançon" an, mangels einer anderen Telefonnummer. Nach einer Viertelstunde kam Hilfe in Person des Schleusenwärters, der erstmal den Überlauf reduzierte (scheinbar eine Art Kraftwerk) und uns dann mit einer Leine versuchte herauszuziehen. Das ging leider nicht; unser Boot sass zwischen den Holzpfählen fest. Danach kam noch ein weiteres Boot, "La Mariouche" mit Kanada-Flagge und offensichtlich viel nautischer Erfahrung. Jedenfalls beschloss der Kapitän sofort, dass er uns mit seinem Schiff herausziehen würde, und führte die Schleppleine über den Poller auf dem Quai zu seinem Schiff. Mit der Motorkraft von beiden Booten kamen wir dann endlich wieder frei und konnten auch gleich mit der "Mariouche" weiter schleusen. Beim Schleusenwärter bedankten wir uns mit einer Schoggi und einem Nötli - gekostet hätte sein Einsatz nichts. Da muss man dem VNF doch auch einmal ein Kränzchen winden - wenn im Vignettenpreis auch solche Hilfeleistung inbegriffen ist, dann ist diese Vignette sicher nicht zu teuer! Der Kapitän der "Mariouche" sollte eigentlich dasselbe erhalten; die Schoggi hat er auch gern genommen, aber beim Nötli war er richtig beleidigt. Der Schleusenwärter hat uns ein paar Kilometer weiter nochmals abgepasst um sicherzustellen, dass beim Boot alles in Ordnung ist. Das hatten wir schon kontrolliert - kein Leck, Schraube und Ruder funktionierten tadellos. Wir haben nochmal Glück gehabt!
Die restliche Strecke bis Besançon konnten wir durchfahren, der Tunnel-Schleusenwärter war über unsere Ankunft informiert, sodass wir abends sicher noch in den Hafen von Besançon kamen. Den Tunnel passierten wir hinter einem Ausflugsboot und gelangten um sieben Uhr in den Hafen St. Paul, wo wir gerade noch einen Platz fanden. Was für ein Tag - erst das "Bateau Chimie", dann das Festsitzen am Überlauf, zehn Motorenstunden und nonstop Regen. Wir legten deshalb in Besançon einen Ruhetag ein, zum Erholen und damit hoffentlich die nassen Sachen wieder trocken würden. Jetzt benutzten wir erstmals richtig die Heizung; leider war sie für solches Wetter etwas schwach. In den folgenden Tagen war in den Kabinen alles feucht und klamm.
Nach dem Ruhetag gings frisch weiter Richtung Dole, auch das Wetter blieb zumindest trocken. Von Besançon bis Dole sind es zwei Tagesetappen, deshalb legten wir abends wieder am schönen Platz bei La Veloupe an. Mittlerweile war der Streik der französischen CGT-Gewerkschaft, wegen der Privatisierung der SNMC, eskaliert und ein frankreichweiter Sympatie-Streiktag aller Gewerkschaften angekündigt. Wir machten uns deswegen keine grossen Sorgen, ist doch die VNF eine Firma (nicht staatlich?) und ausserdem die Schleusen automatisiert, die streiken ja wohl nicht.
So war es dann auch, die Schleusen funktionierten alle. Nur gab es unterwegs noch eine Hebebrücke, die vom Schleusenwärter betätigt wurde. Und dieser Schleusenwärter war irgendwie nicht anwesend. Wir machten deshalb im Engstück vor der Brücke fest, und die Engländer auf der "Silver Steel" hinter uns ebenso. Ich ging zu Fuss zur Schleuse gleich nach der Brücke; vielleicht hatte uns der Schleusenwärter nicht gesehen. Da auch bei der Schleuse kein Mensch war, versuchte ich beim Schleusentelefon Auskunft zu bekommen. Und diese war klar: es ist Streik, "ce pont ne va pas se lever aujourd'hui". Merci und au revoir, diskutieren bringt in so einem Fall ja nichts. Aber umkehren wollten wir auch nicht, also schaute sich unser erster Elektronik-Mechaniker mal die Elektrik dieser Brücke an. Und siehe da: der Schaltkasten am rechten Ufer war zwar verschlossen, aber auf der anderen Seite war der Schaltschrankunverschlossen. Drei klar bezeichnete Knöpfe für Heben, Senken und Stop. Also Brücke gehoben, Boote durchgefahren, Brücke wieder gesenkt und Streik gebrochen ;-) Die Engländer haben etwas gestaunt, waren aber doch froh dass sie weiterfahren konnten.
So kamen wir doch noch in Dole an. Das Anlegen ging zwar schief, ein langer Kratzer am Rumpf von einem ungeschützten Catway (der Kunststoffschutz wurde vermutlich von einem anderen Schiff unsanft entfernt), aber wir konnten danach feststellen, dass jedes Boot die gleichen Probleme hatte (allerdings holten sich die anderen keine Kratzer). Auch in Dole legten wir wieder einen Ruhetag ein, da uns die Stadt auf dem Hinweg gefallen hatte. So konnten wir gemütlich einkaufen und das Städtchen besichtigen. Hier fanden wir auch zwei Crêperien, die wir beide ausprobierten und zufrieden waren. Vor allem "La Demi Lune" direkt am Canal des Tanneurs ist sehr empfehlenswert.
Das Wetter wurde auch immer besser, und am nächsten Tag erreichten wir wieder die Sâone, wo es sofort wärmer wurde und auch die Landschaft wieder freundlicher wirkt. Der letzte Schleusenwärter des Kanals pfiff uns noch an, weil wir bei Rotlicht in seine Schleuse gefahren waren. Aber mit diesen Ufern und ohne Wartepontons gibt es nicht viel andere Möglichkeiten. So hat er halt das bereitgehaltene Trinkgeld nicht bekommen. In St. Jean fuhren wir gleich zum Tankschiff, das einen schönen Schwimmsteg bietet und wo das Tanken richtig praktisch ist. Danach gings in den Hafen von St. Jean; wir wollten diesmal bei Blanquart anlegen, weil uns das empfohlen wurde, aber da war wirklich kein einziger Platz mehr frei. Dafür wissen wir nun, dass man problemlos hinten um die Bäume herumfahren kann, und konnten sogar direkt bei der halb versunkenen Barke rückwärts anlegen, weil noch soviel Platz war. Auch in St. Jean legten wir einen Ruhetag ein, besichtigten das Städtchen und assen natürlich im Amiral.
Die nächste Etappe sollte uns bis Chalon bringen; wir fuhren deshalb zeitig los. Auf der Sâone hatte es noch ziemlich Nebel, so mussten wir sehr langsam und nach beim Ufer fahren. Nach einer Weile querten wir den Fluss, da rechts irgendwo ein Wehr kommen musste. Gerade noch rechtzeitig - beim Überqueren entdeckten wir eher zufällig die roten Bojen, die den Weg zum Wehr versperren sollen. Danach kam dann die Sonne doch noch durch, und wir fuhren bei schönstem Wetter die Sâone hinunter. Die beiden Gross-Schleusen waren kein Problem, nur das Crown-Blue-Boot "Princess Maya" vor uns hatte nicht alles ganz im Griff. Aber es hatte ja auch die Piratenflagge gehisst...
Im Port de Plaisance von Chalon hatten wir viel Platz, zum Abendessen gingen wir in eine Crêperie. Am nächsten Tag tuckerten wir gemütlich nach Gigny, wo wir zum letzten Mal anlegten. Abends wurde das Boot noch betankt, dann packten wir schon einen Teil, und am nächsten Morgen luden wir den Rest ins Auto und gaben das Boot ab. Die Heimfahrt mit dem Auto verlief problemlos.
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